Jedes Jahr im Sommer kommen über 60.000 Wagnerfans aus dem In- und Ausland zu den Bayreuther-Festspielen. Wer im Park des Festspielhauses umherwandelt, stößt unweigerlich auf die nationalsozialistische Geschichte dieses Ortes. Auf der einen Seite die große bronzene Wagner-Büste des Nazi-Bildhauers Arno Breker, auf der anderen Seite Erinnerungstafeln für all die Künstler, die in Bayreuth mitgewirkt haben und von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Die meisten von ihnen waren jüdische Künstlerinnen und Künstler.

Das Richard Wagner Museum im einstigen Wohnhaus des Komponisten, der „Villa Wahnfried“

„Das Wagner ein flammender Antisemit war, bestreitet heute niemand mehr“, sagt Sven Friedrich, Direktor des Wagner Museums in Bayreuth. Eine ganze Etage hat er der Ideologie-Geschichte Wagners im Siegfried Wagner-Haus gewidmet. Als Richard Wagner am 13. Februar 1883 starb, war Adolf Hitler (*20. April 1889) zwar noch nicht geboren, dennoch ist die Frage nach der ideologischen Verbindung zwischen Wagner und Hitler bis heute Gegenstand der Forschung – und Thema hitziger Debatten und Diskussionen. Fest steht: Adolf Hitler war begeistert von Richard Wagners Musik und instrumentalisierte sie für seine Zwecke. Bei Wagners Sohn Siegfried und seiner Frau Winifred war Hitler ein gern gesehener Gast.

Die kritische Wagnerforschung

Bis heute umstritten ist die Frage, ob Wagners Antisemitismus auch seine Musik prägte und ob es in seinen Opern Figuren gibt, die Juden karikieren. „Weder in Wagners eigenen Schriften noch in den Tagebüchern seiner Frau Cosima gibt es Nachweise, dass Wagner eine solche Intention hatte“, sagt Wagner-Kenner Sven Friedrich. Wenn Figuren auf der Bühne dennoch so dargestellt würden, sei das eine Interpretation und beziehe sich auf die eigenen Stereotype: Stereotype wie physische Merkmale, die nicht zuletzt durch die nationalsozialistische Rassenideologie als angeblich jüdische Erkennungsmerkmale herangezogen wurden.

War die Figur „Beckmesser“…