Regionale Klimabedingungen, die Beschaffenheit des Bodens, die zur Verfügung stehenden Materialien: Die Herausforderungen und Bedingungen beim Hausbau sind abhängig von lokalen Gegebenheiten und Notwendigkeiten.

Die Corona-Pandemie hat die Bauwirtschaft jetzt global vor ein identisches Problem gestellt: Denn die vergangenen eineinhalb Jahre haben aufgezeigt, wie fragil der Welthandel ist, wie schnell die Nachfrage das Angebot übersteigen und Lieferengpässe verursachen kann.

Auch die Transportwege stehen auf dem Prüfstand. Materialien per Lkw und Schiff mit hohen CO2-Bilanzen um die ganze Welt zu transportieren, erscheint angesichts des Klimawandels und mangelnder Rohstoffe nicht mehr zeitgemäß.

Trockene Sommer und der Borkenkäfer setzen den deutschen Wäldern zu und verknappen das Angebot an Rohholz

„Wir müssen uns viel mehr auf lokale Ressourcen beziehen“, sagt die Architektin Anna Heringer im Gespräch mit der DW. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen diskutiert sie auf dem 27. Weltkongress der größten internationalen Architektenvereinigung UIA über nachhaltiges Bauen.

„Die Resilienz ist am größten, wenn man nicht von externen Märkten abhängig ist“, sagt Heringer. „Wir haben überall fantastisches Baumaterial: den Lehm.“ Mit dem Rohstoff beschäftigt sich Heringer seit dem Studium. Ihre Arbeiten sind mehrfach preisgekrönt, die UNESCO ernannte sie zur Honorarprofessorin am Lehrstuhl für Lehmarchitektur, Baukultur und nachhaltige Entwicklung.

Nachhaltiger Rohstoff

Lehm gilt als gesund, atmungsaktiv, er weist bei der Isolation und Schalldämmung sehr gute Werte auf. Weil er recyclebar ist und nicht über weite Strecken transportiert werden muss, ist er besonders nachhaltig. Beim Bauen mit Lehm ist nur rund ein Prozent der Energie nötig, die bei einem vergleichbaren Haus aus Beton oder Ziegeln anfällt.

Der seit 1948 alle drei Jahre tagende und ursprünglich für 2020 geplante Kongress gastiert – weitgehend digital – in Rio de Janeiro….