48,3 Prozent der olympischen Startplätze in Tokio sind für Frauen reserviert. Der gestiegene Anteil der Sportlerinnen wird sich zum ersten Mal am Freitag bei der Eröffnungsfeier zeigen, beim Einzug der Nationen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ermunterte die Teams zudem ausdrücklich, die jeweilige Fahne von einem Mann und einer Frau gemeinsam ins Stadion tragen zu lassen. Für Deutschland übernehmen Beachvolley-Olympiasiegerin Laura Ludwig und Wassersprung-Rekordeuropameister Patrick Hausding diese ehrenvolle Aufgabe.

An den folgenden 16 Wettkampftagen werden in 156 Wettbewerben Medaillen an Frauen vergeben. Bei den Spielen in Rio vor fünf Jahren war das nur bei 136 Entscheidungen der Fall – eine Steigerung um knapp 15 Prozent. Die Zahl der Mixed-Wettbewerbe nimmt in Tokio um ein Drittel zu: von neun im Jahr 2016 auf jetzt zwölf.   

Signale in die Gesellschaften

„Die besondere Förderung von Frauen ist bereits seit 1996 Bestandteil der Olympischen Charta“, sagt Petra Tzschoppe, Sportsoziologin an der Universität Leipzig, der DW. „IOC-Präsident Thomas Bach hat diesen Gedanken dann in der Agenda 2020 noch einmal verankert. Die Zahl der Wettbewerbe für Männer und Frauen sollte sich annähern.“

Ringen – seit 2004 olympische Disziplin für Frauen

Das erste olympische Ereignis mit gleich vielen männlichen wie weiblichen Teilnehmern waren 2018 die Olympischen Jugendspiele in Buenos Aires. Jetzt ist es auch in Tokio fast ausgeglichen. „Das IOC sendet damit Signale in die Gesellschaften“, findet die Sportwissenschaftlerin. In vielen Bereichen – Politik, Wirtschaft, Wissenschaft – ist weltweit der Anteil der Frauen in herausgehobenen Positionen weitaus geringer. 

Langer Weg zur Gleichstellung

Für ihre Gleichberechtigung in der olympischen Arena mussten die Frauen jahrzehntelang kämpfen. Bei den zweiten Olympischen Spielen 1900 in Paris nahmen zwar schon Frauen teil – in separaten Wettbewerben im Tennis und Golf sowie in gemischten Mannschaften beim…