Heute geht es um das Warnsystem gegen Flutkatastrophen, ein bewährtes Medienritual der Kanzlerin und den Jahrestag des Utøya-Massakers.

Die Warnung, die niemand hören wollte

Heute sind keine Reisen prominenter Politikerinnen und Politiker ins Flutgebiet angekündigt, und vielleicht hält dort heute langsam so etwas wie der Alltag in der Katastrophe Einzug. Die Helferinnen und Helfer räumen weiter gegen Schlamm und Zerstörung an, die Aufmerksamkeit im Rest von Deutschland dürfte langsam nachlassen, und ebenso der Schockeffekt der Bilder, auf denen Autos und Schuttberge sich in kaputten Straßenzügen auftürmen. Dabei ist die Lage alles andere als entspannt, wie ein Lagebericht des Bundesinnenministeriums zeigt, über den unsere Redaktion gestern berichtet hat: Darin ist nicht nur die Rede von der allgegenwärtigen Corona-Gefahr, sondern von Infektionsgefahren durch Leichen und Tierkadaver, von »Seuchen und Ungezieferbefall«, von Medikamentenknappheit und zu geringen Kapazitäten für die Müllverbrennung.

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Schutthaufen nach der Flut in Opladen: Wer soll diese Berge versetzen?

Foto: Roberto Pfeil / dpa

Nach wie vor läuft die Debatte, warum sich diese Katastrophe in diesem Ausmaß nicht verhindern ließ. Die Überflutung wäre natürlich nicht über Nacht aufzuhalten gewesen. Aber wer verstehen will, warum so viele Menschen überrascht wurden von der Flut, muss heute die Reportage unseres Autors Hubert Gude lesen, der das kleine Dorf Mayschoß an der Ahr besucht hat. Hier sind die Leute Hochwasser gewohnt, und hier gingen auch frühzeitig Warnungen vor Pegelständen von bis zu sechs Metern ein. Doch solche Zahlen konnten viele im Dorf sich schlicht nicht vorstellen. »Die sind doch verrückt!«, so reagierten viele Bewohnerinnen und Bewohner, bis hin zu dem nun völlig verzweifelten Bürgermeister. Jeder Vierte im Ort hat sein Zuhause verloren. Was helfen Warnungen, wenn die Menschen sie in den Wind schlagen?

Mein Kollege Florian Gathmann…