Es läuft die 62. Spielminute im Nissan-Stadium von Yokohama, als sich das Schicksal der Fußball-Auswahl Deutschlands endgültig zum Ungünstigen wendet. Wobei die Betonung auf dem Wort „endgültig“ liegt, weil es auch bis dahin für die Mannschaft von Bundestrainer Stefan Kuntz alles andere als günstig lief. Fehlstart wäre höflich ausgedrückt. Seien wir also höflich – auch wenn der 2:4 (0:3)-Endstand gegen Brasilien nicht gerade dazu einlädt.

Gelb-rot für den Kapitän

In jener 62. Minute des Auftaktspiels Brasilien gegen Deutschland gerät Mannschaftskapitän Maximilian Arnold in einen Zweikampf mit Dani Alves auf brasilianischer Seite. Der Deutsche hält seinen Gegner fest und hatte wohl nicht bedacht, dass er schon eine Gelbe Karte mit sich herumschleppte. Arnold muss mit Gelb-Rot vom Platz, die deutsche Mannschaft ist in Unterzahl. Dass Schiedrichter Ivan Barton aus El Salvador nicht gerade olympisches Niveau hatte, steht auf einem anderen Blatt.

Vorzeitig und unfreiwillig vom Platz: Maximilian Arnold

Für einen solchen Platzverweis gibt es nie einen günstigen Zeitpunkt, aber dieser war besonders blöd. Hatte sich die deutsche Auswahl durch das „Einfach-mal-draufhalten“-Tor von Nadien Amiri zum 1:3 (57.) doch erst fünf Minuten vorher ein Lebenszeichen verpasst, eine Art Blutzufuhr nach einer ersten Hälfte, die man aus deutscher Sicht vergessen sollte. Die ganz in Schwarz gekleidete Mannschaft von Stefan Kuntz kam kaum aus der eigenen Hälfte heraus, und die brasilianischen Tore entstanden auch durch eine Abwehrleistung, die einer deutschen Fußball-Auswahl schlecht zu Gesicht stehen – wo die U21-Mannschaft doch gerade Europameister geworden ist. 1:0 durch Richarlison (8.), 2:0 durch Richarlison (22.) und 3:0 durch – richtig – eben jenen Richarlison (30.), ein lupenreiner-Hattrick. Die Auswahl Brasiliens – Titelverteidiger im olympischen Turnier – bewies in der ersten Hälfte eine andere Klasse. Und das letzte Tor in der Nachspielzeit durch Paulinhos…