Bei einigen Stahlunternehmen in NRW kommt es nach der Flutkatastrophe zu ersten Engpässen. Teilweise können die Firmen ihre Verpflichtungen gegenüber Abnehmern nicht mehr einhalten. Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssenkrupp hat gegenüber seinen Kunden »Höhere Gewalt« geltend gemacht, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Ebenso der Kaltband-Hersteller Bilstein aus Hagen.

Bernd Grumme, Geschäftsführer Bilstein:

»Hier sind die Gleise in unmittelbarer Nähe unterspült worden, sodass die Deutsche Bahn uns sagt, wir haben aktuell gar keine Möglichkeit, zu euch zu kommen.«

Die Firma erhält normalerweise den größten Teil der Vormaterialien für ihre Produktion über die Schiene. An normalen Arbeitstagen gingen rund 1800 Tonnen Stahl an die Kunden. Dass jetzt Vormaterial fehlt, könnte in den nächsten Wochen zu massiven Problemen in der Produktion führen. Eine wirkliche Alternative zum Schienengüterverkehr gibt es nicht.

Bernd Grumme, Geschäftsführer Bilstein:

»Weil wir eben das Material nicht über andere Möglichkeiten beziehen können, zumindest nicht voll umfassend. Wir werden oder sind bereits sehr intensiv daran, auf LKW-Transport umzustellen. Das geht aber nicht mit der gesamten Menge.«

Die Bahn rechnet mit einem monatelangen Wiederaufbau der durch die Flut zerstörten Trassen. Allein sieben Strecken im Regionalverkehr seien derart stark zerstört, dass die Bahn sie erneuern müsse, teilte der bundeseigene Konzern mit. Der Fernverkehr sei weniger betroffen.

Auch die Lage im Güterverkehr habe sich mittlerweile etwas gebessert: Der Rangierbahnhof in Hagen arbeitet laut Bahn-Angaben wieder und die Nord-Süd-Achse entlang des Rheins sei befahrbar. So könnten zumindest Züge zu den wichtigen Seehäfen nach Rotterdam und Antwerpen abgefertigt werden.

Für die Stahlwirtschaft kann der Wiederaufbau der Schienentrassen gar nicht schnell genug gehen. Die Unternehmen sind Teil einer komplexen Wertschöpfungskette. Fast die Hälfte der Betriebe der…