Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) soll noch für längere Zeit extrem locker bleiben. Dies verkündete Notenbankchefin Christine Lagarde bei ihrer turnusmäßigen Pressekonferenz zur Geldpolitik. Auch nach der aktuen Krisen-Phase werde die EZB die Wirtschaft der Eurozone stützen. Kurz zuvor hatte der Rat der EZB entschieden, den Leitzins bei Null Prozent zu belassen.

Offensichtlich ist, dass von Inflation für die EZB derzeit kein Schrecken ausgeht. Man werde den Anstieg der Verbraucherpreise über das anvisierte Ziel von zwei Prozent hinaus für längere Zeit tolerieren, sagte die Präsidentin – wie lange das sein wird, ließ sie offen.

»In der heutigen Entscheidung des EZB-Rats zeigt sich, dass die veränderte geldpolitische Strategie nicht nur eine neue Rhetorik, sondern auch eine Veränderung in der Sache bringt«, sagt etwa Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft am ZEW Mannheim. »Mit dem überarbeiteten zinspolitischen Ausblick immunisiert die EZB ihre Negativzinsen und die Anleihekäufe auf lange Zeit gegen einen überraschend starken Inflationsanstieg.«

Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe, rechnet damit, dass die Zeit der Ultratiefzinsen noch länger anhalten wird. »An eine Leitzinswende ist nicht nur noch lange nicht zu denken, sie ist zeitlich sogar noch gestreckt worden.«

Lagarde erhöht also ihren Spielraum, die Zinsen noch lange niedrig zu halten und ihr Anleihekaufprogramme fortzuführen. Das dürfte insbesondere in Deutschland für Kritik sorgen. Hier fällt die Teuerung wegen des Aufschwungs höher aus als im Durchschnitt der Eurozone; zudem sind die Deutschen besonders sensibel, was das Thema Inflation angeht. Tatsächlich sind die niedrigen Zinsen Gift für Sparbücher, die die Bundesbürger so lieben; andererseits sorgt die Geldpolitik der EZB dafür, dass sich Unternehmen günstig Geld leihen können, um zu wachsen und Jobs zu schaffen. Und den…