Pipeline-Projekt
Durchbruch bei Nord Stream 2 – doch die Probleme bleiben auch nach der Einigung

Ein Rohr für den Bau der Erdgaspipeline Nord Stream 2

© Tobias SCHWARZ / AFP

Die US-Regierung ist offiziell weiter gegen Nord Stream 2. Mit der Einigung mit Deutschland hat sie de facto aber den Widerstand gegen die Fertigstellung der Pipeline aufgegeben. In Berlin herrscht Erleichterung – dabei sind die Probleme längst nicht ausgeräumt.

Der Besuch von Kanzlerin Angela Merkel bei US-Präsident Joe Biden in der vergangenen Woche sollte ganz im Zeichen der Harmonie stehen, doch immer war da dieses verflixte Thema Nord Stream 2: Gleich die erste Frage der deutschen Reporter bei der Pressekonferenz im Weißen Haus galt wieder dem alten Streitpunkt. „Gute Freunde können unterschiedlicher Meinung sein“, antwortete Biden diplomatisch. Knapp eine Woche nach Merkels Besuch verkündeten Berlin und Washington nun einen Durchbruch in dem Konflikt um die Ostsee-Pipeline. Der größte Bremsklotz beim angestrebten Neustart in den deutsch-amerikanischen Beziehungen ist damit vorerst abgeräumt. Die mit dem Projekt verbundenen Probleme sind es nicht.

Die Sorgen wegen Nord Stream 2

Sowohl Bidens Demokraten als auch die Republikaner seines Vorgängers Donald Trump laufen seit Jahren Sturm gegen die Pipeline, die russisches Gas nach Deutschland bringen soll – unter Umgehung der Ukraine, die auf Milliardeneinnahmen aus dem Gas-Transit angewiesen ist. Die USA sehen in Nord Stream 2 ein geopolitisches Projekt von Kremlchef Wladimir Putin, das die Abhängigkeit Europas von russischem Gas verstärken könnte. Kritiker befürchten zudem, dass Putin die Ukraine weiter destabilisieren könnte, sobald Russland für die Gas-Weiterleitung nicht mehr auf sie angewiesen ist. Der Transitvertrag läuft 2024 aus. Die Bauarbeiten bei Nord Stream 2 sollen schon Ende kommenden Monats abgeschlossen werden.