Ende Juni landete die letzte Bundeswehrmaschine mit deutschen Soldaten aus Afghanistan. Viele Ortskräfte, die der Truppe während des fast 20 Jahre dauernden Einsatzes geholfen haben, sind zurückgeblieben. Sie sind nun teilweise in großer Gefahr und fürchten Attacken von radikalislamischen Taliban.

Nach wochenlanger Kritik kündigte die Bundesregierung nun eine etwas stärkere Unterstützung für gefährdete Ortskräfte aus Afghanistan bei der Reise nach Deutschland an. Die Bundesregierung wolle die Kosten für die Flüge übernehmen und über Charterflüge nachdenken. »Ich möchte, dass wir denen, die uns sehr stark geholfen haben, einen Ausweg geben«, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). »Es gibt Fälle, in denen ist diese Hilfe noch nicht gelungen.« Sie habe im Kabinett für eine pragmatische Lösung geworben.

Bundeskanzlerin schaltete sich ein

Das Kanzleramt drängt nach SPIEGEL-Informationen bereits seit mehreren Tagen darauf, dass die beteiligten Ministerien das Schutzprogramm für die sogenannten Ortskräfte beschleunigen und den gefährdeten Afghanen die Ausreise nach Deutschland einfacher möglich machen.

Ende der vergangenen Woche versandten Merkels Beamte eigens einen Brief ans Verteidigungs- und Innenministerium. Das Schreiben ging auch ans Auswärtige Amt und das Entwicklungshilferessort. Es war bereits das zweite Mal, dass Merkels Haus in das Ortskräfteverfahren einmischt.

In dem Brief drängte das Kanzleramt, die Ministerien sollten die Möglichkeit von eigens für die Ausreise gecharterten Flugzeugen »wohlwollend« prüfen, damit die früheren Helfer der Bundeswehr schneller ausreisen können. Dies sei nötig, da die Gefahr von Racheaktionen gegen die Afghanen real sei.

Ministerien warnen vor angeblicher Sogwirkung

Eine Lösung aber fanden die beteiligten Ressorts zunächst nicht. Am Randes des Kabinetts am Mittwoch einigte man sich zunächst nur, dass man die Afghanen vor Ort bei der Buchung von Flugtickets unterstützen will. Die Buchung…