Erst seit einigen Jahren ist es in Deutschland halbwegs akzeptabel, öffentlich die Nationalflagge zu schwenken – und selbst für diesen Sinneswandel brauchte es ein großes Fußballevent im eigenen Land, die Fußballweltmeisterschaft 2006.

Die meisten Deutschen halten sich zurück, die Verbundenheit zum eigenen Land öffentlich auszuleben, habe ich in meinen sechs Jahren hier festgestellt. Ganz anders ticken sie aber, wenn es um die Liebe zur eigenen Stadt oder Region geht. Für diesen Fall hält die deutsche Sprache sogar das schöne Wort „Lokalpatriotismus“ bereit.

In Deutschland scheint der Stolz auf die Region oder Stadt, in der man lebt, eine viel größere Rolle zu spielen als der auf das eigene Land. Hier, was ich über den deutschen Lokalpatriotismus gelernt habe:

1. Lokale Fehden haben oft lange Vorgeschichten

Lokalpatriotismus beruht nicht auf den Rivalitäten zwischen Fußballklubs. Die sind natürlich ein wichtiger Teil davon, aber einige regionale Feindschaften sind so alt wie die frühesten Aufzeichnungen über Fußball selbst – und reichen bis ins zweite und dritte Jahrhundert vor Christus zurück.

Im Karneval besonders zelebriert: die Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf

So wird zum Beispiel die berühmte Rivalität zwischen den beiden rheinischen Großstädten Köln und Düsseldorf auch im Stadion ausgetragen und betont, wenn es um den Karneval oder das Bier geht. Sie wurzelt aber in weit zurückliegenden historischen Ereignissen, bei denen auch das liebe Geld eine Rolle spielt:

Während sich das nur 40 Kilometer von Düsseldorf entfernte Köln von einer römischen Kolonie zur größten Stadt des Landes Nordrhein-Westfalen entwickelt hat, ist das moderne Düsseldorf, das aus einer kleinen mittelalterlichen Siedlung hervorgegangen ist, heute Landeshauptstadt.

Das Ereignis, das gemeinhin als die Wurzel allen Übels in der Beziehung der beiden Städte herbeizitiert wird, ist die Schlacht von Worringen am 5. Juni 1288. Ob diese Schlacht tatsächlich der…