Ob die Olympia-Medaille noch da ist, eingeschlossen im Schrank, unten im Keller? Was ist mit dem seidenen Wimpel mit dem Tokyo-1964-Logo? Oder der japanischen Briefmarkensammlung?

Hans Kaupmannsennecke weiß es nicht. Er und seine Frau Renate wurden in ihrer Wohnung in Bad Neuenahr-Ahrweiler in der vergangenen Woche nachts vom plötzlich stark ansteigenden Hochwasser überrascht – wie so viele Menschen in der Region.

Die Wassermassen rissen Brücken mit, Autos, Caravans und Möbel wurden weggespült wie Blätter, Straßen und Gebäude überflutet. In der Eisdiele schräg gegenüber, die erst vor einem halben Jahr eröffnet hatte, stapeln sich jetzt die Autos.

Noch immer ohne Strom und Wasser

„Es knallte wie bei Kanonenschüssen, als die Fensterscheiben der Geschäfte und Häuser von den Wassermassen eingedrückt wurden“, erzählt der 84-Jährige der DW. „Das sind Bilder und Eindrücke, die man kaum beschreiben und begreifen kann, wenn man nicht vor Ort war.“

Vor der Überschwemmung war hier eine Eisdiele

Zahlreiche Menschen starben in Bad Neuenahr-Ahrweiler, noch immer müssen die meisten Menschen ohne Wasser und Strom auskommen. Wer konnte, ist geflüchtet. Hans und Renate sowie Tochter Claudia sind behelfsweise bei der anderen Tochter Anja in Kerpen untergebracht.

Die Wohnung im vierten Stock ist unbeschadet. Aber all die Sachen im Keller, die vielen Gegenstände aus dem ereignisreichen Leben, werden demnächst aus den Schlammmassen mühsam zusammengesammelt werden müssen. Vieles dürfte für immer verloren sein.

„Das wäre sehr traurig“, meint der ehemalige Luftwaffenoffizier. „Aber die Erinnerungen, die bleiben mir ja erhalten“. Wie die von den Olympischen Spielen in Tokio – vor 57 Jahren.

Der große Traum: Deutscher Meister

„Bei der Eröffnungsfeier lief es hinter den Kulissen sehr hektisch ab. Aber dann der Einlauf ins Olympiastadion, wenn so eine Menschenmenge auf dich herabschaut, das ist schon toll“, erzählt Kaupmannsennecke, der als Sportschütze für…