Für Amitav Ghosh ist die Natur ein wichtiger Teil des Geschichtenerzählens. Seine Romane spielen häufig in den Sundabans, den größten Mangrovenwädern der Welt, die im Golf von Bengalen östlich des indischen Subkontinents liegen: Von „Der Glaspalast“ (2006) über „Hunger der Gezeiten“ (2006) und „Das mohnrote Meer“ (2009) bis hin zu seinem neusten Buch, „Jungle Nama“ (2021).

Der indische Autor, dessen Familie aus Bangladesch stammt, hat New York zu seiner Heimat gemacht. Die Sundabans und ihr fragiles Ökosystem, wo heute noch Tiger und viele weitere seltene Arten von Tieren und Pflanzen leben, drohen von der globalen Erderwärmung zerstört zu werden.

Der Schriftsteller Amitav Ghosh

Das mag einer der Gründe dafür sein, dass Ghosh die Klimakrise und die aus ihr resultierenden Naturkatastrophen nicht mit Gleichmut betrachtet: Gerade Überschwemmungen suchen regelmäßig die Länder auf und um den indischen Subkontinent heim. In einem Telefongespräch mit der Deutschen Welle äußert sich Amitav Ghosh zur Berichterstattung über die Flutkatastrophe in Deutschland: „Eine Frau sagte: ‚Wissen Sie, man erwartet einfach nicht, dass so etwas in Deutschland passiert. Man kennt das nur aus ärmeren Ländern.'“ Das zeige ihm, so der Autor, dass die Menschen noch immer nicht verstanden hätten, dass es den Klimawandel wirklich gibt. 

Den Klimawandel gibt es wirklich

„Was hier auf gewisse Weise klar wird, ist, dass wir einer Zeit leben, in der wir unsere Erwartungen aus der Vergangenheit nicht mehr an die Gegenwart anlegen können“, so Ghosh. „Zum Beispiel wird oft gesagt, dass Wohlstand und eine gute Infrastruktur Menschen vor schrecklichen Naturkatastrophen bewahren werden. Es zeigt sich immer mehr, dass das nicht der Fall ist.“ Dazu führt er noch ein weiteres Beispiel an: die Waldbrände im Norden Kaliforniens – auch das eine der wohlhabendsten Regionen der Welt.

Ghosh weist darauf hin, dass sich die Effekte des Klimawandels nicht auf Naturkatastrophen beschränken….