Es ist eine alte Binsenweisheit: Wasser findet seinen Weg. Was passiert, wenn ihm seine natürlichen Wege verbaut werden, hat die Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und den Nachbarländern dramatisch veranschaulicht.

Hochwasser ist ein natürliches Phänomen, das etwa durch Schmelzwasser, Stark- oder Dauerregen auftreten kann. Ursprünglich hatten Kommunen und Länder die Risiken auch einkalkuliert und Überschwemmungs- oder Flutungsgebiete vorgehalten. Doch die Zahl dieser Flächen nahm in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten kontinuierlich ab.

Ursache von Flutkatastrophen: Flächenversiegelung

Deutschlandweit liegt der Flächenverbrauch, also die Umwandlung von landwirtschaftlichen oder naturbelassenen Flächen in Siedlungs- und Verkehrsfläche, bei täglich zwischen 50 und 60 Hektar – doppelt so hoch, wie die Bundesregierung 2018 als Ziel ausgegeben hatte. Die Fläche wird für Wohnungsbau, Gewerbe, Verkehr und Erholungsflächen versiegelt. Dabei wird der Boden weitgehend luft- und wasserdicht abgedeckt, Regenwasser kann praktisch nicht mehr abfließen. Hinzu kommen Umbaumaßnahmen an Flüssen, die begradigt wurden, was deren Fließgeschwindigkeit erhöhte. Nahezu alle Maßnahmen, mit denen der Mensch in die Natur eingegriffen hat, haben finanzielle Ursachen.

Umweltkatastrophen alle 10.000 Jahre

Die jüngste Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen „zeigt uns gnadenlos unsere Schwachstellen auf“, sagt Holger Schüttrumpf, Professor für Wasserbau und Direktor der Fakultät für Bauingenieurwesen an der RWTH Aachen im Gespräch mit der DW. Diese Schwachstellen seien teilweise historisch begründet. „In der Eifel haben sich Kommunen an Flüssen angesiedelt, um die Kraft des Wassers zu nutzen, erst in den Mühlen, später für die Papier- und Stahlindustrie.“ Durch die Ansiedlung von Städten sei nach und nach jedoch der natürliche Verlauf der Flüsse blockiert worden.

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