Bilder und Berührung

Bilder beeinflussen Politik, daran gibt es keinen Zweifel, man denke nur an den Präsidentenfotografen in den USA, den einzigen Türspion hinein ins Weiße Haus, streng kontrolliert und kuratiert: Pete Souza zum Beispiel vermochte es, mit seinen Bildern Barack Obama als liebevollen Familienvater und Politiker mit Humor darzustellen. Die Beliebtheit dieses Präsidenten, sie rührte auch von Souzas Bildern her.

Auch im deutschen Wahlkampf entwickelten die Bilder ihre Macht, wie 1990, als Helmut Kohl mit Michail Gorbatschow und Hans-Dietrich Genscher beim Waldspaziergang im Kaukasus zu sehen war, und am 3. Oktober auf dem Balkon des Reichstags mit Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Richard von Weizsäcker und Lothar de Maizière. Der Kanzler der Einheit als historische Figur, zwei Monate später wurde er natürlich wiedergewählt.

2002 dann waren es die Bilder eines Kanzlers in Gummistiefeln beim Elbhochwasser, die mit dafür sorgten, dass Gerhard Schröder bei der Wahl siegte und Edmund Stoiber, von dem es nur Bilder im Poloshirt gab, dann doch unterlag.

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DER SPIEGEL

Armin Laschet trug ebenfalls Gummistiefel und Regenjacke über dem weißen Hemd, als er die Hochwassergebiete seines Bundeslandes besuchte, doch im kollektiven Gedächtnis wird ein anderes Bild bleiben: Laschet, der sich während der getragenen Rede des Bundespräsidenten im Hintergrund mit seinen Leuten beömmelt. Bis heute ist nicht ganz klar, was der Anlass für diese Eruption der Fröhlichkeit war.

Nun darf einem Politiker auch allzu Menschliches widerfahren, ein Lachanfall im unpassenden Moment gehört sicher dazu. Der CDU-Chef und Kanzlerkandidat entschuldigte sich dafür ja auch, und dennoch bleibt der Eindruck bestehen, ihm fehle es an Gravitas im rechten Moment.

Er hätte als erfahrener Politiker auch wissen müssen, in welchem Einfallswinkel die Kameras in diesem Augenblick standen, und sich einfach aus dem Bild bewegen. Es war ein folgenreicher…