Katastrophenschutz
Cell Broadcast: Die Warn-SMS an alle wird in Deutschland nicht unterstützt – warum?

IN Ländern wie Kanada warnen die Behörden schon länger per allgemeiner Kurznachricht

© Adrian Wyld/ / Picture Alliance

von Malte Mansholt
21.07.2021, 19:31 Uhr

Mit einer einzigen Nachricht nahezu alle Bürger erreichen – das kann die Technologie Cell Broadcast. Gerade im Katastrophenschutz wäre das extrem hilfreich. Trotzdem wird sie in Deutschland nicht unterstützt. Doch es findet ein Umdenken statt.

Das Wasser zieht sich langsam zurück, doch die Folgen der Flutkatastrophe, die mindestens 170 Menschen das Leben gekostet hat, werden die Bundesrepublik noch lange beschäftigen. Eine der wichtigsten Fragen dabei: Hätte eine frühere Warnung die schlimmsten Auswirkungen verhindern können? Dabei geht es auch um die Einführung eines Systems, das andere Staaten längst nutzen: das sogenannte Cell Broadcast.

Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um eine Mischung aus SMS und Lautsprecherdurchsage. Wie die klassische Kurznachricht poppt auch beim Cell Broadcast eine kurze Textnachricht auf dem Display von Mobilfunkgeräten auf. Der wichtigste Unterschied: Während die SMS an eine einzelne Nummer gesandt wird, verteilt der Cell Broadcast die Nachricht unterschiedslos an sämtliche Mobilfunkgeräte, die gerade in Funkzelle eingeloggt sind.

Gezielte Warnung

Das hat entscheidende Vorteile. Zum einen kann man gezielt ganz bestimmte Regionen vor einer drohenden Gefahr warnen, je nach Bedarf in der Größe einiger Häuserblocks bis zu ganzen Landstrichen oder gar bundesweit. Zum anderen erreicht man sämtlich Personen, die sich dort aufhalten – auch diejenigen, die dort nur zu Besuch sind. Und das bei geschützter Privatsphäre: Aufgrund seiner Funktionsweise benötigt das System keine einzelnen Telefonnummern, die Empfänger bleiben komplett anonym.