Sicherheits-Firma NSO
„Sie verkaufen den Virus, nicht den Impfstoff“: Edward Snowden ärgert sich über Pegasus-Hack

Edward Snowden während eines Interviews im Oktober 2015 in Moskau. Seit Juni 2013 lebt der ehemalige US-Agent in Russland.

© Lotta Hardelin/AFP

von Malte Mansholt
20.07.2021, 19:18 Uhr

Mit Spionage-Software konnten Kunden des israelischen Unternehmens NSO Smartphones aushorchen und sogar auf Kamera und Mikrofon zugreifen. Nun hat sich der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden zu den Enthüllungen geäußert – und klare Worte gefunden.

Die Enthüllungen sind erschreckend. Mit der spezialisierten Schadsoftware Pegasus kann die israelische Sicherheits-Firma NSO ihren Kunden unbemerkten Zugriff auf iPhones und Android-Smartphones inklusive Kamera, Chats und dem Standort liefern – ohne dass die Betroffenen davon irgendetwas bemerken. Jetzt hat sich der ehemalige NSA-Mitarbeiter und Whistleblower Edward Snowden in einem Interview zu dem Schnüffel-Programm geäußert.

Im Gespräch mit dem britischen „Guardian“ findet der ehemalige Geheimdienstler klare Worte. „Was das Pegasus-Projekt enthüllt hat, ist, dass das einzige Produkt dieser Unternehmen die Möglichkeit ist, Computer zu infizieren“, erklärt der sichtbar aufgebrachte Snowden. „Das sind keine Sicherheitsprodukte, sie bieten keinen Schutz, sie bieten keine Prophylaxe. Die produzieren keinen Impfstoff – sondern verkaufen den Virus.“

Spionage als Geschäftsfeld

Dabei geht es nicht nur um die NSO Group, an deren Software Pegasus sich die aktuellen Enthüllungen abarbeiten. „Das ist überall, es ist eine ganze Industrie. Die NSO Group ist nur das bekannteste Unternehmen, aber es ist eben nur eine Firma von vielen.“ Neben der NSO Group werden etwa die Dienste des ebenfalls aus Israel stammenden Unternehmens Celebrite genutzt, um den Inhalt gesperrter iPhones auslesen zu können.