Wer die Frage stellt, wie fair die Olympischen Spiele von Tokio in Pandemie-Zeiten sein können, kommt um das Doping-Problem nicht herum. Die Corona-Krise hat möglicherweise Dopingsündern in die Hände gespielt. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) war auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle im vergangenen Jahr gezwungen, die Tests außerhalb von Wettkämpfen drastisch zu reduzieren. Im April 2020 beispielsweise wurden nach Informationen der WADA weltweit nur 578 Blut- und Urinproben genommen. Im Jahr zuvor hatte es im Vergleichsmonat noch 25.219 Dopingtests gegeben. 

„Die sinkende Zahl der Tests könnte einigen Athleten ermöglicht haben, während der Vorbereitung auf die Spiele zu dopen. Sie wussten, dass die Wahrscheinlichkeit, noch einmal getestet zu werden, gering oder gleich null war“, sagt April Henning der DW. Die Anti-Doping-Expertin arbeitet als Dozentin an der schottischen Universität Stirling.

Wie hier bei den Spielen 2012 in London werden auch in Tokio Doping-Kontrolleure auf die Athletinnen und Athleten warten

Inzwischen habe die Testfrequenz weltweit jedoch wieder beinahe Normalniveau erreicht, versichert die WADA. Dopingproben von Olympischen Spielen werden mittlerweile zehn Jahre lang aufbewahrt, um Dopingsünder unter Umständen auch später noch überführen zu können, wenn neue Analyse-Methoden zur Verfügung stehen. Schon jetzt werden Dopingstrafen häufig erst Jahre nach den Vergehen verhängt. 

250 Dopingkontrollen und 700 Athletenbegleiter

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Kontrollen während der Spiele von Tokio an die Internationale Test-Agentur (ITA) übergeben. Die ITA ist eine nicht kommerzielle Organisation mit Sitz in der Schweiz, die unter der Kontrolle des IOC und der WADA steht. Sie arbeitet mit den nationalen Anti-Doping-Agenturen und dem Internationalen Sportsgerichtshof CAS zusammen. Die ITA werde in Tokio „das umfangreichste Anti-Doping-Programm leiten, das jemals bei Olympischen Spielen…