Auf einen Gipfel folgen oft die Mühen der Ebene. So ist es auch bei der sogenannten Mindeststeuer, zu der sich Anfang Juli die G20-Staaten bei einem Treffen in Venedig bekannten. Insgesamt gut 130 Finanzminister unter Führung der Industrieländerorganisation OECD haben sich darauf geeinigt, dass Unternehmen künftig mindestens 15 Prozent Steuern zahlen sollen. Werden diese im Ausland nicht erreicht, so können die Heimatstaaten der Konzerne nachkassieren.

Zu der historischen Einigung müssen bis Oktober aber noch viele Details geklärt werden. Dazu gehört nicht zuletzt die Frage, worauf die Mindeststeuer tatsächlich erhoben wird.

Denn die 15 Prozent werden nicht auf jeden Euro erhoben, den eine Firma verdient. Der Beschluss von OECD und G20 sieht vor, dass Unternehmen ihre Bemessungsgrundlage reduzieren können. Diese sogenannten carve-outs könnten die Einnahmen aus der Mindeststeuer erheblich mindern. Das zeigen Berechnungen der neuen EU-Steuerbeobachtungsstelle unter Leitung des Experten Gabriel Zucman, die am Dienstag veröffentlicht werden. Die Ausnahmen könnten »die Effektivität der Regeln wesentlich verringern«, heißt es in der Analyse.

Zahlt ein deutscher Konzern in einem anderen Land nur fünf Prozent, so müsste er daheim eigentlich zehn Prozent nachzahlen. Diese Summe könnte er laut dem Beschluss aber mithilfe von zwei Faktoren reduzieren: Gehaltszahlungen und materielle Vermögenswerte im Ausland, zu denen etwa Maschinen oder Grundstücke gehören. Davon sollen mindestens fünf Prozent des Buchwerts von der Bemessungsgrundlage abgezogen werden. In den ersten fünf Jahren nach der Einführung würden sogar 7,5 Prozent verschont.

Zucman und seine Mitarbeiter berechneten nun, wie stark diese Ausnahmen die Einnahmen der EU verringern würden. Bei einem Mindeststeuersatz von 15 Prozent würde das Steueraufkommen demnach um 15 Prozent schrumpfen. Das entspricht insgesamt rund sieben Milliarden Euro im Jahr, für Deutschland wären es rund 900 Millionen Euro. In…