Es war eine PR-Aktion mit maximalem Knalleffekt: Am Montag kündigte die US-Eismarke Ben & Jerry’s an, den Vertrieb ihrer Produkte im Westjordanland und in Ostjerusalem ab Ende 2022 einzustellen. Begründung: Die dortige Siedlungspolitik sei mit den Unternehmenswerten »unvereinbar«. In den von Israel besetzten Gebieten leben inzwischen rund 600.000 jüdische Siedler. Auch die Vereinten Nationen kritisieren die Siedlungspolitik schon seit Langem.

Israels Reaktion fiel überraschend harsch aus. Die Führungsriege – von Premierminister Naftali Bennett über Außenminister Yair Lapid und Finanzminister Avigdor Liebermann bis zu Oppositionsführer Benjamin Netanjahu – kritisierte Ben & Jerry’s Vorgehen heftig. Bennett drohte, »mit aller Kraft« gegen den Boykott zu kämpfen. Die israelische Botschaft in Berlin nannte die Aktion eine »ärmliche & falsche Entscheidung«.

Das Unternehmen, das sich seit Jahrzehnten als Ikone des sozialen Unternehmertums geriert, hat einmal mehr mit einer Guerilla-Aktion Wellen geschlagen. PR-technisch zumindest. Denn die Aktion nützt, wie viele andere Aktionen zuvor, eher dem Image der Firma als der Gesellschaft.

Das schillernde Unternehmen mit dem bunten Kekskrümeleis wurde 1978 von den zwei selbst erklärten Hippies Jerry Greenfield und Ben Cohen (übrigens selbst Juden) in Burlington, Vermont, unweit der Grenze zu Kanada, gegründet – und machte seitdem immer wieder mit cleverem Polit-Marketing von sich reden. Mal trommelte es für LGBT-Rechte, mal für die Black-Lives-Matter-Bewegung, mal gegen den Klimawandel. In Australien warb es mit dem Spruch »Löffelt Eis, nicht das Riff« für den Erhalt des Great Barrier Reefs. In den USA verteilte es Eis an die Demonstranten der »Occupy Wallstreet«-Bewegung. Einmal verhafteten Polizisten Cohen und Greenfield gar bei einer Demo vor dem Washingtoner Kapitol.

Durch viele solcher symbolischer Aktionen, oft orchestriert vom firmeneigenen Aktivismus-Manager, und etwas handfestem sozialem…