Kolumne

„Fünf Minuten Smart“
Die ewigen Reiter der Apokalypse – warum die Rente mit 68 das System nicht retten wird

Der Rentenbescheid soll in Zukunft immer später kommen. Doch ist das berechtigt?

© Felix Kästle / DPA

von Andreas Hoffmann
19.07.2021, 12:20 Uhr

Seit Jahren fordern diverse Experten, dass die Deutschen länger arbeiten sollen, um das Rentensystem zu retten. Am besten arbeiten die Menschen bis 68 oder 70 Jahre. Doch diese Vorschläge führen in die Irre. Es gibt bessere Ideen um die Altersversorgung zu reformieren. Ein Blick ins Ausland reicht.  

Schon mal diese Sätze gehört: „Das System der staatlichen Alterssicherung droht aus den Fugen zu geraten.“ Und: „Die Deutschen ziehen immer weniger Kinder groß, in den nächsten Jahrzehnten wird die Bevölkerungszahl erheblich sinken.“ Und: „Die Zahl der Berufstätigen wird drastisch abnehmen.“ Schließlich: „Die Arbeitnehmer werden ohne Ende immer höhere Beiträge zahlen.“

Richtig. Das ist der Sound der Apokalypse. Läuft als Endlosschleife. Die Rente ist marode, das System nicht mehr zu retten, eine Komplettsanierung nötig. Und doch sind diese Sätze etwas Besonderes. Sie haben Patina. Sie stammen aus einer Ausgabe des „Spiegel“ von 1985.

1985 – gefühlt ein Jahr aus der Steinzeit

Was für ein Jahr, dieses 1985. Boris Becker eroberte zum ersten Mal Wimbledon, Deutschland bekam den ersten grünen Landesminister, nämlich Joschka Fischer, ein Herr namens Bill Gates wartete mit der Software Windows auf, und Queen-Sänger Freddy Mercury hauchte mit einem Auftritt beim größten Benefiz-Konzert aller Zeiten, Live Aid seiner Band neues Leben ein. Was später Hollywood verfilmte. Das Jahr 1985 fühlt sich 2021 wie Steinzeit an.

36 Jahre sind seitdem vergangen. 36 Jahre, in denen der Sound der Apokalypse nicht verstummte, das Desaster aber zeigte sich einfach nicht. Die…