Die Hydrologin Hannah Cloke von der Universität Reading in Großbritannien befasst sich seit 20 Jahren mit der Modellierung von Hochwasserereignissen. Sie gehört zu den Entwicklerinnen des Europäischen Hochwasser-Warnsystems Efas (»European Flood Awareness System«), das seit 2012 im Vollbetrieb läuft. Als sie am Sonntagabend mit dem SPIEGEL spricht, ist sie hörbar wütend.

Es geht um die Frage, wie gut – oder schlecht – die Menschen im Westen Deutschlands vor der herannahenden Gefahr gewarnt wurden. »Wir konnten mehrere Tage vorab sehen, dass die betroffene Gegend überflutet werden würde«, sagt Cloke. Doch offenbar verhallten die Efas-Warnungen vielerorts folgenlos.

Als sie dann am Donnerstagmorgen beim Frühstück im Radio die Berichte über viele Tote gehört habe, sagt die Forscherin, sei sie schockiert gewesen. »Efas wurde eingerichtet, um genau diesen Verlust von Leben zu verhindern. Die Opferzahl ist einfach zu hoch.«

In der britischen »Sunday Times« sprach Cloke gar von einem »monumentalen Systemversagen«. Gerade die Tatsache, dass es auch in Städten Opfer zu beklagen gebe, lege nahe »dass viele Dinge sehr schiefgegangen sind.«

25 fortlaufend aktualisierte Warnungen

Efas gehört zum Notfalldienst des EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus. Das System nutzt meteorologische und hydrologische Daten und modelliert die Gefahrensituation dann im Computer. Zwischen dem 10. und dem 14. Juli habe man mehr als 25 fortlaufend aktualisierte Warnungen für spezifische Regionen herausgegeben, heißt es bei Copernicus.

Natürlich sei es leichter, Hochwasser an größeren Flüssen wie dem Rhein vorherzusagen als an kleineren Gewässern wie der Ahr oder der Erft, sagt Cloke am Telefon. Dennoch seien die Efas-Warnungen für das Flutgebiet hinreichend konkret gewesen, ebenso die des DWD.

»Man kann das Wasser nicht stoppen, aber man kann die Menschen aus dem Weg bringen«, so Cloke. Als Wissenschaftlerin könne sie auf die konkreten Risiken aufmerksam machen, die…