An der Recherche eines internationalen Journalistenkonsortiums waren die „Süddeutsche Zeitung“, sowie die „Zeit“, die ARD-Anstalten NDR und WDR und 15 weitere Redaktionen aus zehn Ländern beteiligt. Wie die Medien berichteten, sollen Geheimdienste und Polizeibehörden mehrerer Länder eine Spähsoftware des israelischen Unternehmens NSO Group missbraucht haben, um damit die Mobiltelefone von Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Anwälten und Politikern anzuzapfen.

Die Recherchegruppe konnte eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit den Organisationen Forbidden Stories und Amnesty International eine undichte Stelle mit mehr als 50.000 Telefonnummern auswerten, die mutmaßlich seit 2016 zum Ziel möglicher Überwachungen durch Kunden von NSO wurden.

Das von der Firma entwickelte Programm namens „Pegasus“ gilt dem Bericht zufolge unter Experten als das derzeit leistungsfähigste Spähprogramm für Handys auf dem kommerziellen Markt und ist als Cyberwaffe eingestuft worden. „Pegasus“ ist ein Trojaner, mit dem unbemerkt iPhones und Android-Smartphones infiziert und mühelos Telefonate, SMS, E-Mails und sogar verschlüsselte Chats überwacht werden können. Mit der Software können sogar die Kamera und das Mikrofon eines Geräts unbemerkt eingeschaltet werden. Es ist demnach in der Lage, infiltrierte Mobiltelefone in Echtzeit auszuspähen.

Drahtzieher unklar

Zu den betroffenen Telefonnummern zählen laut dem Bericht die Nummern von zahlreichen Journalisten weltweit. Darunter sind laut „Guardian“ auch Mitarbeiter der Nachrichtenagenturen AFP, Reuters und AP, der Zeitungen „New York Times“, „Le Monde“, „El País“ und der Sender Al-Dschasira, Radio Free Europe und CNN. Insgesamt konnten demnach mehr als 180 Nummern von Journalisten ausgewertet werden. Zu den Betroffenen zählt laut den Recherchen auch Hatice Cengiz, die Verlobte des ermordeten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi. Ihr Handy sei vier Tage nach dem Mord an Khashoggi mit der Schadsoftware Pegasus angegriffen…