Noch riecht alles neu im beeindruckend großen Humboldt Forum. Am Ufer der Spree zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz, wo einst das Berliner Stadtschloss stand, dessen kriegszerstörte Reste 1950 gesprengt und durch den DDR-Palast der Republik ersetzt wurden, ragt jetzt ein massiver Neubau in den Berliner Himmel. Ein letzter Bauzaun verdeckt das Hauptportal. Gärtner versorgen Pflanzenbeete großzügig mit Dünger. Zwei junge Leute werben scherzend für den Wiederaufbau von Erichs Lampenladen, wie der abgerissene Republikpalast im Volksmund hieß.

Vor wenigen Tagen erst ist hier die neue U-Bahnstation mit Pomp eröffnet worden, sie erschließt das „Museumsufer“.

Das Humboldt Forum vor der Eröffnung: Blick auf die rekonstruierte Fassade.

Leere Stühle warten auf Prominenz, die sich zum feierlichen Staatsakt angesagt hat. Beschlossen 2002 vom Deutschen Bundestag, sollte der Kulturkomplex eigentlich schon 2019, im Humboldt-Jubiläumsjahr fertig werden. Doch es zog sich. Die Baukosten explodierten. Und nach der virtuellen Eröffnung im Dezember folgt jetzt Teil Zwei der Öffnung auf Raten: im Keller, Erdgeschoss und der ersten von drei Etagen.

Streit über Kuppelkreuz

Der italienische Stararchitekt Franco Stella hat dem Humboldt Forum, auf dem weithin sichtbar eine Kuppel mit Engelsfiguren und Kreuz thront, an drei Seiten eine rekonstruierte Barockfassade umgehängt. Ein goldgefasster Ausspruch von Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV (1795-1861) fordert die Unterwerfung der Menschheit unter das Christentum. Für Kritik sorgte im Vorfeld auch, dass ausgerechnet das Ethnologische Museum und das Dahlemer Museum für Asiatische Kunst in die Teil-Rekonstruktion eines Preußenschlosses einziehen sollen. Obwohl dieses doch für Kolonialmacht und Völkermord steht? 

Viele sehen im Humboldt Forum ohnehin einen Hotspot der aktuellen Kolonialismus-Debatte. Und genau genommen ist es das auch: Kann man heute noch Kunstwerke und Artefakte ausstellen, die unter ungeklärten,…