Bis zur Bundestagswahl sind es noch mehr als zwei Monate, doch die FDP bringt sich bereits jetzt für mögliche Sondierungsgespräche danach in Stellung. Die Partei würde im Fall einer Regierungsbeteiligung das Finanzministerium für sich beanspruchen, sagte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Lindner selbst möchte demnach das Amt des Finanzministers übernehmen.

»Wenn wir die Möglichkeit zur Gestaltung haben, dann wäre das mein Angebot«, sagte Lindner. Er erwarte, dass »ordnungspolitische Grundsatzfragen und Querschnittsaufgaben« künftig vor allem vom Finanzministerium, im Arbeits- und Sozialministerium sowie in einem neu geschaffenen Ministerium für Umwelt und Klima beantwortet würden, so der FDP-Chef.

Lindner: »Die Frage Schwarz oder Grün im Kanzleramt ist entschieden«

Er äußerte die Erwartung, dass sich Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) bei der Bundestagswahl im September gegen seine Mitbewerberin Annalena Baerbock von den Grünen sowie SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz durchsetzen werde. »Die Frage Schwarz oder Grün im Kanzleramt ist entschieden«, sagte Lindner mit Blick auf aktuelle Meinungsumfragen.

Offen sei hingegen, ob Union und Grüne allein regieren würden oder die FDP an der nächsten Regierung beteiligt sein werde, sagte Lindner weiter. Nach der Bundestagswahl 2017 hatte die FDP eine Regierungsbeteiligung in einer Koalition mit CDU/CSU und Grünen noch abgelehnt.

Verschiedene Umfragen sehen die Union derzeit teils bei etwa 30 Prozent der Stimmen und damit bis zu elf Prozentpunkte vor den Grünen. Auf dem dritten Platz rangiert die SPD mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz, etwa gleichauf liegen dahinter FDP und AfD bei etwa zehn Prozent.

Eine Regierungsbeteiligung der FDP scheint derzeit vor allem in Dreierbündnissen realistisch: In einer sogenannten Jamaikakoalition mit Union und Grünen, in einer Ampelkoalition mit SPD und Grünen oder in einer Deutschlandkoalition mit Union und SPD.