Erstmals haben Fachleute ein hochauflösendes Bild vom Zentrum unserer nächstgelegenen Radiogalaxie Centaurus A gemacht, berichten sie im Fachblatt »Nature Astronomy«. Mithilfe der Aufnahme analysierten sie den gerichteten Plasmastrom, einen sogenannten Jet, des dortigen supermassereichen schwarzen Lochs. Radiogalaxien sind Galaxien mit hoher Strahlung im Radiofrequenzbereich.

Die meisten Galaxien besitzen in ihrem Zentrum ein schwarzes Loch mit der millionen- oder gar milliardenfachen Masse unserer Sonne. Die Objekte ziehen mit ihrer Gravitationskraft Materie aus ihrer Umgebung an – aber nicht alles fällt in sie hinein. Gebündelt durch starke Magnetfelder schießt ein Teil der Materie an den Polen eines schwarzen Lochs in zwei energiereichen Plasmastrahlen mit hoher Geschwindigkeit weit ins All hinaus.

Centaurus A in 15 Millionen Lichtjahren Entfernung gehört zu den hellsten extragalaktischen Objekte am Himmel. Das Team um Michael Janssen vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn hat die Jets im Zentrum der Galaxie mit dem Event Horizon Telescope (EHT) nun 16-mal genauer abgebildet als je zuvor. Bemerkenswert für die Forscher ist, dass die Jets nur an ihrem Rand Radiostrahlung aussenden, nicht in ihrem Inneren. Das stelle einige der bisherigen physikalischen Modelle für die Materiestrahlen infrage, so die Wissenschaftler.

Geburt eines gewaltigen Jets

Mit dem Event Horizon Telescope (EHT), einem Zusammenschluss von Radioteleskopen in aller Welt, ist es erst seit Kurzem möglich, einen Blick in die Umgebung supermassereicher schwarzer Löcher zu werfen. »Das erlaubt uns zum ersten Mal, einen extragalaktischen Radiojet auf Skalen zu untersuchen, die kleiner sind als die Entfernung, die das Licht an einem Tag zurücklegt«, so Janssen. »Wir sehen hautnah, wie ein ungeheuer gewaltiger Jet, ausgehend von einem supermassereichen schwarzen Loch, geboren wird.«

Vor zwei Jahren hatte das EHT erstmals ein Bild eines supermassereichen schwarzen Lochs geliefert: Die…