Merkel werde sich in der Gemeinde Schuld, die besonders schwer von der Unwetterkatastrophe getroffen wurde, selbst ein Bild von der Lage machen, teilte die rheinland-pfälzische Staatskanzlei in Mainz mit. Im Anschluss (14.30 Uhr) ist ein Pressestatement in Adenau geplant – gemeinsam mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer und weiteren rheinland-pfälzischen Ministern. In Schuld im Landkreis Ahrweiler waren mehrere Häuser komplett von den Wassermassen fortgerissen worden, zahlreiche weitere wurden stark beschädigt.

Nationaler Kraftakt

Bundesfinanzminister Olaf Scholz stellte unterdessen Soforthilfen in dreistelliger Millionenhöhe in Aussicht. „Es braucht einen nationalen Kraftakt“, sagte Scholz der „Bild am Sonntag“. Am Mittwoch im Kabinett wolle er zwei Dinge auf den Tisch legen. „Erstens eine Soforthilfe, bei der letzten Flut waren dafür deutlich mehr als 300 Millionen Euro nötig. Da wird jetzt sicher wieder so viel gebraucht“, erläuterte Scholz. „Zweitens müssen wir die Grundlage für ein Aufbauprogramm schaffen, damit die zerstörten Häuser, Straßen und Brücken zügig repariert werden. Wie wir von der vorherigen Katastrophe wissen, geht es um Milliarden Euro.“

Erste Aufräumarbeiten in Bad Neuenahr

Der Schwerpunkt der Katastrophe in Rheinland-Pfalz liegt im Kreis Ahrweiler. Allein dort kamen nach neuesten Angaben der Polizei Koblenz über 110 Menschen ums Leben. 670 Menschen wurden verletzt. Es wird befürchtet, dass noch weitere Todesopfer und Verletzte hinzukommen. „Wenn Sie die Bilder sehen, wie es da aussieht, kann man nicht ausschließen, dass noch weitere Leichen gefunden werden“, erklärte ein Sprecher.

Nach wie vor werden in der Region Menschen vermisst. In vielen Orten gibt es immer noch keinen Strom, kein Telefonnetz, kein sauberes Trinkwasser. Viele Straßen sind zerstört und nicht befahrbar, Brücken wurden weggerissen. Hunderte Menschen harren in Notunterkünften aus, weil ihre Häuser nicht mehr bewohnbar sind und abgerissen werden müssen.