Jill Banfield hat in japanischen Bergwerken gearbeitet und an Geysiren im US-Bundesstaat Utah. Doch für ihre womöglich weitreichendste Entdeckung ist sie zusammen mit ihrem Doktoranden Basem Al-Shayeb auf dem schlammigen Boden eines ausgetrockneten Tümpels in der Nähe ihres Hauses herumgepatscht. Die australische Geomikrobiologin, die an der University of California in Berkeley arbeitet, hat Feldforschung in der eigenen Nachbarschaft betrieben.

Zusammen mit Al-Shayeb war sie auf der Suche nach den Spuren ganz spezieller Viren. Diese Erreger befallen urtümliche Einzeller, sogenannte Archaeen, die oft unter extremen Umweltbedingungen leben. Banfield und ihr Assistent interessierten sich speziell für Exemplare, die beinahe ganz ohne Sauerstoff auskommen – und für die Viren, die sie infizieren. In Bodenproben aus dem Tümpel suchte das Team zunächst nach allen möglichen Erbgutabschnitten – und fand Milliarden davon. Mithilfe von automatisierten Datenbankrecherchen wurde dann geprüft, wer eigentlich für dieses vorgefundene Genmaterial verantwortlich war: Bakterien, Viren – und anderes mehr.

Dabei fanden die Forschenden zu ihrer Überraschung auch eine bisher offenbar noch nicht bekannte Form von extrem langen, geraden Erbgutabschnitten. Diese enthielt, so berichten sie in einem noch nicht von Fachkollegen begutachteten Manuskript, Teile der DNA verschiedener Bakterienarten. Als Banfield ihrem Sohn, einem »Star Trek«-Fan, beim Thanksgiving-Dinner im vergangenen Jahr davon berichtete, hatte dieser gleich den passenden Namen parat: Borg.

In den Sci-Fi-Geschichten stellt dieses Kollektiv eine immense Gefahr für die Vereinigte Föderation der Planeten dar, zu der auch wir Menschen zählen. Die Borg haben in ihrem Streben nach technologischer Überlegenheit nämlich eine für eine andere Arten eher unpraktische Eigenschaft: Sie trachten danach, sich diese rücksichtslos und vor allem komplett einzuverleiben. Im Erfolgsfall endet die eigenständige Existenz der…