René Haas hilft seiner Cousine, den Schlamm aus dem Fachwerkhaus zu schippen. Es ist zumindest teilweise zerstört, so wie große Teile des Ortskerns von Schuld an der Ahr. »Frau Merkel, Sie sind die Einzige, die jetzt helfen kann«, will Haas der Bundeskanzlerin zugerufen haben, als sie mit ihrem Begleittross am Fachwerkhaus vorbeikam.

Sie habe zugesichert, dass Hilfe kommen werde, so erzählt Haas hinterher. Er möchte gerne daran glauben. »Hier in der Eifel hält man Wort«, sagt der Mann. »Ich hoffe, dass das in der Politik auch so ist.«

Die Kanzlerin besucht das Flutgebiet an der Ahr in Rheinland-Pfalz. Ausgewählt hat sie den Ort, an dem man schon eine gewisse Routine mit Politikerbesuchen entwickelt hat. In Schuld schwammen mehrere Häuser weg, jetzt ist der Ort im Vergleich zu anderen Ahr-Gemeinden relativ gut aufgeräumt. Das heißt aber noch immer Trümmerlandschaft.

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Politikerinnenbesuch in Schuld, Rheinland-Pfalz: Es wird demonstrativ weitergearbeitet

Foto: CHRISTOF STACHE / AFP

Merkels Besuch beschränkt sich auf einen Gang durch den zerstörten Ortskern. Nur einige Kamerateams sind zur Begleitung zugelassen, das Gros der Berichterstatter verfolgt den Rundgang auf dem Bildschirm, der SWR überträgt live.

Die Übertragung hat etwas von einer Tour-de-France-Etappe, außer, dass das Ziel tief im Tal liegt und nicht auf dem Berg. Die schwankende Kamera zoomt immer wieder auf die Gruppe um Merkel, die unter anderem von Rheinland-Pfalz‘ Ministerpräsidentin Malu Dreyer und von Innenminister Roger Lewentz begleitet wird. Alle in der Mittagssonne, dazu die begleitenden Motorengeräusche der Räummaschinen.

»Die deutsche Sprache kennt kaum Worte für die Verwüstung«

Es wird demonstrativ weitergearbeitet während des hohen Besuchs, so will es das Protokoll. Politiker-Besuche im Krisengebiet sind heikel, siehe Armin Laschet.

Doch der halbstündige Rundgang ist keine reine Show-Veranstaltung. Dafür sorgen die Worte des…