Zehn Wochen vor der Bundestagswahl hat der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen Spannungen in seiner Partei eingeräumt. »Das sind alles nicht meine Freunde«, sagte der Parteichef am Sonntag in einem ZDF-Interview auf die Frage, ob er Kandidaten wie Christina Baum aus Baden-Württemberg oder Stephan Brandner und Jürgen Pohl aus Thüringen unterstütze.

Meuthen sagte, er habe bis 2018 versucht, den 2015 vom Thüringer AfD-Landeschef Bjön Höcke gegründeten »Flügel« in die Partei zu integrieren. »Der Versuch ist gescheitert, weil der »Flügel« auch die Partei übernehmen wollte«, fügte Meuthen hinzu.

Er selbst hatte früher Veranstaltungen des Netzwerkes besucht, war später aber auf Distanz zu Höcke und anderen Führungspersönlichkeiten der inzwischen formal aufgelösten Gruppierung gegangen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet das Netzwerk mittlerweile als gesichert rechtsextremistische Bestrebung. Die AfD setzt sich aktuell gegen eine mögliche Beobachtung der Gesamtpartei durch den Verfassungsschutz juristisch zur Wehr.

In dem Verfahren vor dem Kölner Verwaltungsgericht geht es auch um die Frage, welches Gewicht Ideen und Akteure der Rechtsaußen-Strömung in der AfD haben. Der Inlandsgeheimdienst hat seine aktuelle Einschätzung der AfD in einem neuen Gutachten niedergelegt. Höcke wird darin von allen Parteimitgliedern nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur mit Abstand am häufigsten erwähnt.

Kritik übte Meuthen in dem Interview auch an der jüngsten Moskau-Reise des Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla. Dass dieser auf Einladung des russischen Verteidigungsministeriums bei einer Konferenz eine Rede gehalten habe, sei ebenso »unklug« gewesen wie der Inhalt dieser Rede. Chrupalla bildet gemeinsam mit Weidel das Spitzenteam der AfD im Bundestagswahlkampf. Meuthen ist Abgeordneter des Europäischen Parlaments und kandidiert nicht für den Bundestag.

Auf die Frage, wie lange er angesichts des massiven Gegenwinds aus den eigenen Reihen noch…