Nach der Flut die Reform

Deutschland ist im Krisenmodus, die Politiker ziehen sich Gummistiefel an, die ersten Hilfspakete werden geschnürt, doch das kann erst der Anfang sein. Es muss auf vier Ebenen diskutiert und gehandelt werden.

1) Akuthilfe: Es werden noch immer Menschen vermisst, sie lebend zu finden, ist nicht ausgeschlossen. Alle Anstrengung muss darauf gesetzt werden. Viele Betroffene brauchen ein Dach über dem Kopf, Kleidung, Essen, psychologische Hilfe, ein provisorisches Zuhause für die nächsten Wochen, Monate – und eine finanzielle Perspektive. Darum müssen sich die Politikerinnen und Politiker jetzt kümmern.

2) Aufbau: Es wird eine Frage von Monaten sein, bis die Trümmer beseitigt, der Schlamm aus den Häusern geschippt ist und der Wiederaufbau beginnen kann. Dafür braucht es Personal, Material und möglichst wenige gesetzliche Hürden. Auch dafür kann und muss die Politik jetzt planen.

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THW in Kordel (Rheinland-Pfalz): Geübt in Hochwasser

Foto: Harald Tittel / dpa

3) Prävention: Für die Coronapandemie war der deutsche Katastrophenschutz schlecht aufgestellt, auch wegen Kompetenzgerangels zwischen Bund und Land. Szenarien wie Hochwasser und Waldbrände sind dagegen eingeübt, man bemerkt es zum Beispiel daran, wie eng und gut Feuerwehr und Technisches Hilfswerk zusammenarbeiten. Trotzdem gibt es Verbesserungspotenzial, ein Beispiel: Zahlreiche Apps sind erfunden worden, um Menschen gezielt und schnell vor Katastrophen zu warnen. Etwa die Nina-App, die vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zur Verfügung gestellt wird. Doch wer von Ihnen, liebe Leserin, lieber Leserin, hat eine solche App in Betrieb?

4) Klimaschutz: Es ist schon klar – selbst mit einer radikalen CO2-Reduktion hätte man kein Hochwasser wie das jüngste verhindert. Doch dieses Argument ist wohlfeil, es untergräbt den mittelfristigen Effekt solcher Entscheidungen. Es geht aber tatsächlich nicht nur um CO2. Die hohe…