Es sieht derzeit nicht rosig aus für Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro. Und das nicht nur gesundheitlich. Wie eine der beliebten Telenovelas verfolgen täglich viele Menschen in dem südamerikanischen Land die Sitzungen des parlamentarischen Untersuchungsaussschusses. Die Comissão Parlamentar de Inquérito, kurz CPI, untersucht seit Ende April mutmaßliche Versäumnisse und Fehler der Regierung im Umgang mit der Corona-Pandemie.

Der Druck auf Bolsonaro hat sich zusätzlich erhöht, nachdem die Online-Nachrichtenseite UOL neue Informationen zum schon länger bekannten sogenannten „Rachadinha“-Skandal lieferte. Die vielen Negativschlagzeilen lassen den Rückhalt in der Bevölkerung schwinden und ein Amtsenthebungsverfahren scheinbar in greifbare Nähe rücken.

Wie die Lage für den Rechtspopulisten tatsächlich aussieht – hier ein Überblick.

Demonstranten in Rio de Janeiro fordern Bolsonaros Rücktritt (03.07.2021)

Welche Vorwürfe gibt es gegen Bolsonaros Corona-Politik?

Brasilien steht sowohl bezüglich der registrierten Corona-Fallzahlen (über 19,2 Millionen) als auch bezüglich der Toten (fast 540.000) weltweit an dritter Stelle. Dem Präsidenten wird vorgeworfen, die Pandemie im Land massiv verschlimmert zu haben, indem er die Gefahren des Coronavirus immer wieder herunterspielte, unwirksame Malaria-Mittel anpries und den Nutzen von Impfungen in Frage stellte.

Der deshalb ins Leben gerufene Untersuchungsausschuss hat in den vergangenen Wochen den Eindruck von Versäumnissen verstärkt und einen Impfstoff-Skandal aufgedeckt. So soll Bolsonaro von Luis Ricardo Fernandes Miranda, einem Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums, über Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung des in Indien hergestellten Serums Covaxin informiert worden sein. Das Vakzin wurde anscheinend in großen Mengen und zu überteuerten Preisen bestellt, obwohl es in Brasilien noch nicht zugelassen ist.

Miranda sagte Ende Juni vor der CPI aus, dass Bolsonaro versprochen habe, die…