Caradh O’Donovan ist einen weiten Weg gegangen, um sich ihren Lebenstraum von den Olympischen Spielen zu erfüllen. Nach 20 Jahren als Kickboxerin wechselte die mehrfache Welt- und Europameisterin 2017 zu Karate. Denn Kickboxen wird auf absehbare Zeit keine olympische Sportart werden – Karate feiert in Tokio dagegen Premiere. Weil sich beide Sportarten ähneln, probierte die Irin es erfolgreich aus. Dann kam die Corona-Krise.

Für O’Donovan, die manch schlimme Verletzung hinter sich gebracht hatte und bei der die Darmkrankheit Morbus Crohn diagnostiziert wurde, war dies der heftigste Rückschlag ihrer sportlichen Karriere. Denn Karate ist nicht nur Kontaktsportart, sondern findet auch in der Halle statt – die schlechtest mögliche Kombination in einer Pandemie. „Die Einschränkungen für den Hallensport in Irland waren möglicherweise unter den strengsten der Welt“, sagte O’Donovan der DW.

Kein Training, kein Wettkampf, keine Unterstützung vom NOK

„Wir hatten drei Lockdowns. Von März 2020 bis Juli 2020 konnten wir überhaupt nicht mehr trainieren. Danach durften wir nur noch bestimmte Trainingsaktivitäten durchführen, aber das war etwa die Hälfte des Trainingspensums, das ausreichen würde, um für einen Elitewettbewerb zu trainieren.“ Kein Sparring, kein Kontakttraining – auch das wichtige Krafttraining entfiel, denn die Fitnessstudios mussten auch schließen.

In Irland sorgten die strengen Lockdowns für leere Fußgängerzonen – wie hier in Dublin

„Alle Wettkämpfe für Karate wurden in Irland ab März letzten Jahres verboten und sind bis heute nicht wieder aufgenommen worden“, berichtet O’Donovan. „Für Elite-Athleten, die sich auf die Spiele in Tokio vorbereiten, gab es keine Ausnahmen. Und international wurden alle Wettkämpfe für mich, einschließlich der olympischen Qualifikationsveranstaltungen, abgesagt oder für ein Jahr verschoben.“

Besonders frustriert habe sie, dass das Nationale Olympisches Komitee und die Regierung trotzdem erwartet hätten, dass sich…