Wolken-Autobahnen
Keine Unwetter mehr, verspicht die Partei – so will Peking das Wetter kontrollieren

Peking will die Wolken über Tibet umleiten. 

© Getty Images

von Gernot Kramper
16.07.2021, 09:17 Uhr

Regen auf Knopfdruck und Autobahnen für Wolken: Peking will mit neuer Technik die Herausforderungen des Klimawandels meistern. 2025 soll das System fertig sein.

Auch das Wetter muss sich dem Willen der Partei beugen. Das hat Peking schon 2008 bei den Olympischen Spielen demonstriert. Damals wurden Wolken vorsorglich geimpft, sodass sie vor Beginn der Veranstaltung abregneten und während der Eröffnungszeremonie ohne störende Nässe gefeiert werden konnte. Diese Impfung bringt Substanzen in die Wolken, um die herum sich Flüssigkeit ansammelt. In der Wolke bilden sich unzählige Mikrokerne mit hoher Konzentration an Feuchtigkeit, bis es schließlich beginnt zu regnen oder zu schneien.

Nun hat Peking Größeres im Sinn, nämlich eine Art von „Wetter nach Fünf-Jahres-Plan“. Die Zone des Systems soll 5,5 Millionen Quadratkilometer abdecken. Das wäre ein Riegel von 1000 Kilometer Breite und 5500 Kilometer Länge. Die Bundesrepublik misst keine 360.000 Quadratkilometer – die Zone ist 15 Mal so groß. Hier soll der Regen kontrolliert einsetzen. Auf einer kleineren Fläche von 580.000 Quadratkilometer soll zudem Hagel verhindert werden.

In den letzten zehn Jahren hat Peking Milliarden in die Wetterveränderung investiert, schon jetzt arbeiten 35.000 Mitarbeiter in dem Programm. Die angekündigte Erweiterung soll bereits 2025 in Betrieb gehen. Ziel des Programms ist es, Naturkatastrophen abzustellen, die mit Regenfällen zusammenhängen, die Landwirtschaft optimal mit Wasser zu versorgen und Ökosysteme im trockenen Norden Chinas zu revitalisieren.

Wolkentransport 

Das neue Programm geht weit über das bloße Anzapfen von Wolken…