Als Erstes bedankt sich der Gesundheitsminister für das Mitgefühl. Angesichts der Krise in Deutschland ist es wichtig, zu sehen, dass Europa zusammensteht, sagt Jens Spahn. Er macht eine Pause, blickt zu der Übersetzerin an seiner Seite, die seine Worte ins Slowenische überträgt. Der Gesundheitsminister, der in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana gerade seinen Amtskollegen zu einer Konferenz zum Thema Pandemiebekämpfung besucht, spricht nicht von der Krise, die seit eineinhalb Jahren die Welt verändert und sein Ressort auf einmal zu einem der wichtigsten Ministerien der Regierung machte.

Er spricht über das Wetter in seiner Heimat.

Während Spahn unterwegs ist in Genf und Ljubljana, tobt in Nordrhein-Westfalen eine der schwersten Unwetterkatastrophen, die Deutschland bislang erlebt hat. Über 100 Tote hat sie bislang gefordert. Die Katastrophe könnte den Bundestagswahlkampf verändern. Vielleicht verdrängt der Klimawandel die Pandemie als Wahlkampfthema. Bundesinnenminister Horst Seehofer fordert das sogar: eine Neuausrichtung des Wahlkampfes.

Spahn kümmert sich im europäischen Ausland aber lieber erst einmal wieder um das andere Thema. Die Pandemiebekämpfung. Schließlich habe die auch mit dem Klimawandel zu tun, betont Spahn auf der Reise immer wieder. Mit Migration. Eigentlich mit allem.

Vor seiner Ansprache macht Spahn einen Spaziergang mit dem slowenischen Gesundheitsminister durch die Altstadt. Einige Slowenen gucken in den Cafés verwundert von ihrem Frühstück auf, einer fotografiert die beiden Minister mit seinem iPad.

Über Nacht sind die Inzidenzwerte in Deutschland wieder signifikant gestiegen. Spahn beunruhigt das nicht mehr. Er weiß, dass die Werte in den nächsten Monaten wieder steigen werden. Aber durch die steigenden Impfquoten nimmt die Bundesregierung zunehmend Abschied von der Inzidenz und andere Werte in den Blick. Die Hospitalisierungsquoten zum Beispiel. Bei einer Impfquote von über 70 Prozent, meint Spahn, werde Deutschland mit den…