Massenproteste
„Die Kubaner haben nach Jahrzehnten des Mangels und Missstands nun eine Grenze erreicht“

Die Ruhe nach dem Sturm: Havanna am 15. Juli, nachdem die Regierung erste Zugeständnisse gemacht hat

© Yamil Lage / AFP

Die kubanische Regierung geht offenbar weiter gegen Demonstranten vor. Berichten zufolge sollen nun die Gerichte für eine Woche schließen, sodass es in schwebenen Verfahren keine Fortschritte gibt. Die USA kündigen derweil Hilfe für die Kubaner an.

Telefon und Internet funktionieren eher nie als manchmal. Es fehlt an Lebensmitteln und es fehlt an Medikamenten. Jetzt schließt die kubanische Regierung offenbar auch die Gerichte für eine Woche. Folge: Die wenigen Vertreter, die es für die zahllosen verhafteten Demonstranten ohnehin nur gibt, bekommen keine Richter zu sehen und können keine Anträge stellen. Die Kubanische Menschenrechts-Beobachtungsstelle (OCDH) mit Sitz in Spanien beklagt deshalb, dass den Betroffenen rechtlicher Beistand verwehrt wird. Demonstranten würden mit Willkür und Gewalt festgenommen, wer freikomme, werde gezwungen, zu Hause zu bleiben, heißt es bei der OCDH.

Mann vor Augen seiner Familie angeschossen

Ein Video, das auf regierungskritischen Seiten zu sehen ist, zeigt, wie Sicherheitskräfte in der Stadt Cárdenas versuchen, durch den Vordereingang in eine Wohnung einzudringen, während drinnen eine Frau mit einem kleinen Kind im Arm „meine Kinder!“ und „warum macht ihr das?“ schreit. Dann kommt ein Beamter mit erhobener Pistole aus der anderen Richtung in die Wohnung. Ein offenbar später aufgenommener Teil des Videos zeigt eine Blutlache auf dem Boden. Das Online-Portal „CiberCuba“ berichtete, der Ehemann der Frau sei vor seiner Familie angeschossen, geschlagen und mitgenommen worden.

Vor knapp einer Woche waren erstmals seit Jahrzehnten wieder Kubaner massenhaft auf die Straße gegangen, um gegen die…