Eigentlich ist es eine Jubiläumsschau, die das Mainzer Gutenberg-Museum schon im vergangenen Jahr zeigen wollte: Denn der Schott-Verlag, weltweit führend in der Herstellung von Noten, feierte sein 250-jähriges Bestehen. Grund genug, die Verlagshistorie Revue passieren zu lassen, in der sich die Wegmarken europäischer Musikgeschichte spiegeln – und wichtige Stationen der Notationsgeschichte. Dann aber kam Corona. Und wie viele andere Häuser musste auch das Mainzer Museum monatelang schließen.

Die Grafik für die Ausstellung im Mainzer Gutenberg-Museum ähnelt einer Partitur

Umso überraschender, wie weit die Sonderschau jetzt ihren zeitlichen und inhaltlichen Bogen spannt – nämlich von den mittelalterlichen sogenannten Neumen, der Niederschrift liturgischer Musik wie etwa dem gregorianischen Gesang, aus karolingischer Zeit bis hin zu Notationen des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Mainzer Ausstellung zeigt denn auch – als eine ihrer Attraktionen – Neumen auf einer vor gut 1000 Jahren entstandenen Handschrift.

Im hohen Mittelalter folgten dann die Quadratnotation und die – wegen ihrer rautenförmigen Notenköpfe – sogenannten „Hufnagelnoten“. „Bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts ließen sich Noten lediglich handschriftlich vervielfältigen“, sagt Kuratorin Maria Linsmann. Für ihre Ausstellung hat sie tief in den Archiven gegraben. Auch das berühmte „Psalterium Benedictium cum canticis et hymnis“, gedruckt 1459 von Peter Schöffer dem Älteren, ist in ihrer Schau zu sehen, ein Hauptwerk mit heiligen Gesängen aus der Sammlung des Gutenberg-Museums, das ebenfalls handgemalte Noten enthält.

Widmet der Geschichte der Noten eine ganze Sonderaustellung: das Mainzer Gutenberg-Museum

Die geniale Idee des Johannes Gutenberg

Anfang des 16. Jahrhunderts brachten neben Ottaviano Petrucci, der landläufig als der „Erfinder des Musiktypendrucks“ gilt, auch andere Drucker mehrstimmige Musik im Typendruck heraus. Lange vorher, bereits um 1450, hatte Johannes…