Weder Nationalhymne noch Nationalflagge und auch kein Bild von einem Bären auf Schwimmanzügen von Synchronschwimmerinnen – das ist die Realität für die russischen Athleten, die in ein paar Tagen zu Olympia nach Tokio reisen werden. Bis zum 16. Dezember 2022 sollen die russischen Sportler nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) wegen der Manipulation von Doping-Daten nur unter neutralem Status bei internationalen Wettkämpfen antreten.

Die zugelassenen Athleten starten bei den Sommerspielen in Tokio unter dem Mannschaftsnamen „ROC“, das ist die Abkürzung für Russia Olympic Committee (Russisches Olympisches Komitee), und unter der Flagge mit der Fackel und drei Flammen in den Farben Weiß, Blau und Rot (Farben der russischen Nationalflagge) zusammen mit fünf Olympischen Ringen. „Trotz des neutralen Status und problematischer Vorbereitung wegen der Pandemie sind wir sehr optimistisch und fliegen mit guter Laune nach Tokio“, sagt der Präsident der Russischen Tennis-Föderation Schamil Tarpishchev, der auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, der DW.

Der Start unter neutralem Status hatte in Russland zu vielen Diskussionen geführt. Um die Emotionen zu beruhigen, verwies die russische Sportführung immer wieder auf die Regel 6.1 der Olympischen Charta. Darin heißt es, „die Olympischen Spiele sind Wettkämpfe zwischen Athleten in Einzel- oder Mannschaftswettbewerben und nicht zwischen Ländern“. In Tokio wird das für die Sportlerinnen und Sportler so aktuell wie nie zuvor sein.

Start ohne Staatssymbole umstritten

Neutrale Flagge: Das Logo des ROC-Teams in Tokio

„Natürlich ist es psychologisch sehr schwierig, ohne Identitätssymbole seines Landes bei großen Sportevents wie Olympia anzutreten“, betont der ehemalige sowjetische Fußballspieler Sergej Schavlo, der bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau die Bronzemedaille gewonnen hat, im Gespräch mit der DW. „Für mich war es immer etwas Besonderes, die Hymne der UdSSR vor…