Markus Söder ist ungern Nebendarsteller. Der CSU-Vorsitzende versucht an diesem Donnerstagmittag gar nicht erst, seine Enttäuschung über die vorzeitig beendete Klausurtagung der eigenen Bundestagsfraktion zu überspielen.

Er habe am Vormittag mehrmals mit Armin Laschet telefoniert, erklärte Söder in Kloster Seeon. Selbstverständlich wäre es für den Ministerpräsidenten des von Überschwemmungen schwer gezeichneten Nordrhein-Westfalen »unangemessen gewesen, heute mit uns zu diskutieren«.

Aus Sicht der CSU hätte es aber viel zu besprechen gegeben. Steuerliche Entlastungen werde es mit der Union »im Moment« nicht geben, hatte Armin Laschet im ARD-Sommerinterview am vergangenen Wochenende erklärt. Dazu fehle schlicht das Geld.

Damit stand Markus Söder als Chef der Schwesterpartei CSU düpiert da. Seine Partei will mit einer Ausweitung der Mütterrente und einer dauerhaft niedrigen Gewerbesteuer für Gastronomen Wähler mit Geldgeschenken ködern.

Das Kalkül der CSU

Zu Beginn der Klausurtagung in Seeon hatte Söder noch einmal nachgelegt und Steuersentlastungen zum »Herzstück einer bürgerlichen Philosophie« erklärt. Die endgültige Abschaffung des Solidaritätszuschlags, die Absenkung der Unternehmensteuer auf schrittweise 25 Prozent, die Senkung der Energieumlage auf nahezu null und höhere Abschreibungen für Digital- und Klimainvestitionen seien das »zentrale Element der gesamten Wirtschaftspolitik der Union«, mahnte Söder in Richtung Laschet.

Der hätte, so das Kalkül der CSU, bei seinem Besuch auf Kloster Seeon seine Blockade beim Thema Steuergeschenke wohl aufgegeben – als Entgegenkommen an die konservativen Wählerschichten im Freistaat, die mit Laschet noch fremdeln.

Und wenn der CDU-Vorsitzende bei seiner Strategie des reinen Weins geblieben wäre und darauf bestanden hätte, den Bürgern keine Steuersenkungen zu versprechen, hätte die CSU trotzdem profitiert. Denn Konflikte mit der Schwesterpartei im Bund gehörten zur festen Folklore im…