Es urlaubt (ein bisschen)

Lesen Sie das hier am Strand? Sei Ihnen gegönnt. Ich bin gerade zurück, eben noch Kniepsand, jetzt märkischer Sand. Aber ach, an der Spree scheint auch meist die Sonne. (Grüße gehen raus nach Hamburg!) »Berlin streckte die Riesenarme und langte über die See«, schrieb Kurt Tucholsky melancholisch über den Rückweg aus dem Schwedenurlaub. Als Wählerin oder Wähler können wir uns alle vor der Bundestagswahl (26. September) und der vierten Coronawelle (zum Schulbeginn) noch mal schön entspannen.

Was aber ist mit der Kanzlerkandidatin und ihren beiden Kontrahenten? Dürfen die auch? Armin Laschet urlaubt in diesem Sommer wie die vier Jahrzehnte zuvor am Bodensee. Keine Experimente, das Wolfgangseesyndrom. Annalena Baerbock hat Anfang Juli nicht verraten, wohin es geht. Olaf Scholz setzt aufs Allgäu.

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DER SPIEGEL

»Ich will in diesem Urlaub überhaupt nicht arbeiten, sondern ich möchte in die Bäume gucken und mich mal richtig ausruhn«, meinte Tucholsky. Baerbock, Laschet und Scholz können das vergessen. Laschet erklärte, er werde im Urlaub viel arbeiten, telefonieren und sei immer erreichbar, ansonsten lese er Krimis. Und Baerbock muss sich mit Plagiatsvorwürfen und allerlei Defensivaktivitäten plagen. Kein guter Zeitpunkt für einen Urlaub.

Warum lassen sie es dann nicht gleich? Ernsthaft. Wenn die Bundestagswahl eine so entscheidende Richtungswahl ist, wie jetzt immer alle sagen, warum dann elf Wochen vorher mehr oder weniger abtauchen? Erholung kann’s nicht sein, eher das Klischee vom auftankenden Spitzenpolitiker. Wer braucht schon Klischees?

Steuern runter! Steuern runter?

Der beliebteste Reigen im Wahlkampf ist der Steuerreigen. Weil man den Leuten da so schön suggerieren kann, wie materiell und konkret sie durch die Wahl von Partei X oder Y profitieren könnten. Ich meine natürlich den Steuer s e n k u n g s reigen.

Aufsehenerregend wird der Reigen allerdings, wenn er innerhalb einer Partei…