Christian Boltanski starb am 14. Juli 2021 in Paris, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Verweis auf den ehemaligen Leiter des Museums für Moderne Kunst im Centre Pompidou, Bernard Blistène, berichtete. 

Eines der großen Themen des Künstlers, der am 6. September 1944 in Paris als Sohn eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter geboren, war die Erinnerung an die Schrecken des Holocaust.

Alle Freunde seiner Eltern seien Überlebende des Holocaust gewesen, sagte er einmal im Gespräch mit der französischen Wochenzeitung „L’Express“. Das Thema sei allgegenwärtig gewesen. „Ich hatte eine seltsame Kindheit, sehr beschützt und voller Angst.“ Als Kind soll er nie allein aus dem Haus gegangen sein.

„Erinnerungen“: Spinde für die Vergessenen

Kunst gegen das Vergessen 

In der Kunst stellte sich Boltanski seine eigenen Ängsten. In seinen Werken nahm er häufig Bezug auf das Grauen des Nationalsozialismus: enge Gänge, Berge abgenutzter Kleidung, Karteischubladen. Boltanski bediente sich zahlreicher Mittel und Medien, war Konzeptkünstler, Maler, Fotograf und Bildhauer, die Fertigkeiten brachte er sich jeweils selbst bei. Immer wieder ging es bei seinen Arbeiten um das Erinnern. 

In Deutschland machte er sich schon früh einen Namen. Boltanski war drei Mal an der Documenta in Kassel beteiligt, schuf 1999 im Reichstagsgebäude die Installation Archiv der Deutschen Abgeordneten und 2018 im Weltkulturerbe Völklinger Hütte einen Erinnerungsort für Zwangsarbeiter, die dort unter unwürdigen Bedingungen zur Arbeit gezwungen wurden. Der Künstler  wollte sie aus der Anonymität holen.

Karteikästen mit Namen sollen an die vielen unbekannten Zwangsarbeiter erinnern

Der Tod stand im Zentrum seines Schaffens – sowohl jener, der massenhafte Folge von Diktaturen war, als auch die eigene Endlichkeit: Boltanskis Werk „Letzte Sekunde“ zählte im Sekundentakt die Lebenszeit des Künstlers. Und sollte anhalten, sobald er stirbt.

tl/suc …