Als Ursula von der Leyen am Mittwochnachmittag den Presseraum der EU-Kommission betritt, wird es auf der Bühne richtig voll. Zwei Kommissarinnen und vier Kommissare drängen sich neben der Präsidentin. Schon der enorme Personalaufwand zeigt, dass dies vielleicht der wichtigste Moment der Amtszeit von der Leyens ist: die Vorstellung des »Fit for 55«-Pakets. Das weltweit bisher umfangreichste Klima-Gesetzesvorhaben soll sicherstellen, dass die EU ihren Treibhausgas-Ausstoß bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 senkt und bis 2050 klimaneutral wird.

Von der Leyen hat das als »Mann auf dem Mond«-Moment bezeichnet, und die »Fit for 55«-Präsentation ist gewissermaßen der Start der Rakete. »Europa ist jetzt der allererste Kontinent, der eine umfassende Architektur zur Umsetzung seiner Klimaziele vorlegt«, schwärmt von der Leyen. »Über die Ziele und die Richtung sind wir uns einig.«

Doch von Einigkeit ist selbst in von der Leyens eigenem Team wenig zu sehen. Erst wurde in der Kommission monatelang über die Details gestritten. Am Mittwoch dann, unmittelbar vor der Veröffentlichung des Pakets, kam es in der Sitzung von der Leyens mit ihren 27 Kommissarinnen und Kommissaren zum Eklat. Ein Drittel von ihnen – darunter Sozialdemokraten, Liberale, aber auch Schwergewichte aus von der Leyens eigener politischer Familie, der christdemokratischen Europäischen Volkspartei – meldeten nach Angaben von Insidern schwere Bedenken an.

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EU-Kommissionschefin von der Leyen (Mitte) mit Kommissarinnen und Kommissaren

Foto: Valeria Mongelli / AP

Zum ersten Mal seit von der Leyens Amtsantritt kam es daraufhin zu einer formellen Abstimmung im Kommissionskollegium. Zwar gab es am Ende nur eine Gegenstimme, weil die Gegner nicht das gesamte Paket torpedieren wollten. Allerdings sollen sie darauf bestanden haben, ihre Ablehnung im offiziellen Sitzungsprotokoll festzuhalten.

Von der Leyens Leute, so heißt es in der Kommission,…