Seit Tagen gehen in Kuba die Menschen auf die Straße, um gegen die Versorgungskrise, Medikamentenmangel und staatliche Repression zu demonstrieren. Die sozialistische Ein-Parteien-Regierung reagiert mit einer Blockade des Internets, mit Verhaftungen und Polizeigewalt. Nun haben sich die kubanischen Bischöfe zu Wort gemeldet: „Wir können nicht unsere Augen verschließen, als wäre nichts passiert“, heißt es in einer Stellungnahme der Kubanischen Bischofskonferenz.

Wie meist in den vergangenen Jahren versucht die Kirche eine Position zu finden, die beide Sichtweisen berücksichtigt. Es sei verständlich, dass die Regierung, die die Verantwortung trage, versucht habe, Maßnahmen zur Linderung der bestehenden Schwierigkeiten zu ergreifen. „Aber wir verstehen auch, dass die Menschen das Recht haben, ihre Bedürfnisse, Wünsche und Hoffnungen zu äußern“, erklären die Bischöfe auf der Website des Erzbistums Havanna. Die Proteste beträfen einige Entscheidungen, die das Volk ernsthaft beeinträchtigten.

Von der kubanischen Regierung erwarten die Bischöfe nun mehr Flexibilität und die Bereitschaft, auf die Protestierenden zuzugehen. Sie sähen mit Sorge, dass der Staat unbeweglich reagiere, dass sich die Situation weiter verschlechtere. Sie warnen vor einer Verhärtung der Positionen und negativen Reaktionen mit unvorhersehbaren Folgen für alle. Eine Lösung der Probleme könne weder durch Verbote noch durch Aufrufe zu Konfrontation erzielt werden, sondern nur durch gegenseitiges Zuhören, gemeinsame Vereinbarungen und konkrete Schritte. Dabei fordern die Bischöfe auch die Einbeziehung der Opposition, denn diese Ziele seien nur mit einem Beitrag aller Kubaner erreichbar, ohne Ausgrenzung.

Protestmärsche in vielen Städten

Am Sonntag waren in Kuba tausende Menschen auf die Straße gegangen, um ihrem Unmut über die schlimmste Wirtschaftskrise seit 30 Jahren Ausdruck zu verleihen. Die Demonstrationen fanden in dutzenden Städten statt. Proteste gab es auch am Montag und…