In den USA hat die Inflation im Juni überraschend stark angezogen. Gegenüber dem Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise um 5,4 Prozent, teilte das Arbeitsministerium mit. Das ist die höchste Rate seit August 2008. Volkswirte hatten hingegen mit einem leichten Rückgang der Rate auf 4,9 Prozent gerechnet, nachdem sie im Mai noch bei fünf Prozent gelegen hatte.

Der Anstieg der Inflationsrate wird vor allem durch die immer weitergehende Aufhebung von Corona-Beschränkungen angefacht. So sind die Preise für Hotelaufenthalte, Autovermietungen, Bekleidung und Flugreisen zuletzt deutlich gestiegen.

Volkswirte sind von dem starken Anstieg überrascht. »Selbst die größten Pessimisten hatten nicht mit einem derart starken Anstieg der Inflation gerechnet«, sagte Dirk Chlench, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg. Dies sei nun der vierte Monat mit einer deutlich erhöhten Inflationsrate, was auch Auswirkungen auf die Geldpolitik haben werde. »Die US-Notenbank wird durch die jüngsten Inflationszahlen unter heftigen Druck geraten, ihren ultraexpansiven Kurs zu beenden.«

Die US-Notenbank hat den erhöhten Inflationsdruck bisher immer als vorübergehend bezeichnet und mit Sondereffekten erklärt. Deshalb erklärte sie, auf den Preisanstieg vorerst nicht reagieren zu wollen.

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, erwartet ein Auslaufen der Corona-Sondereffekte zum Jahresende. Für die sehr lockere Geldpolitik gebe es dann keinen Grund mehr. »Die Fed wird schon bald einen konkreten Fahrplan zum Ausstieg aus den Wertpapierkäufen vorlegen.«

Der US-Dollar legte nach den Daten zu allen wichtigen Währungen zu. Der Euro fiel unter die Marke von 1,18 US-Dollar. Die Kurse von US-Staatsanleihen gerieten unter Druck.