Mord an Jovenel Moïse
Politdrama, Staatsstreich oder Krimi? Haitis Fluch kehrt mit voller Wucht zurück

In Haiti herrscht nach dem Präsidentenmord ein großes Polizeiaufgebot

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Der Mord an Haitis Präsidenten wirft weiter Fragen auf, obwohl die Polizei den Drahtzieher präsentiert hat. Wird die Tat je aufgeklärt oder verschwindet sie hinter dem nächsten Konflikt – der Kampf um die Macht, der bereits begonnen hat?

Wenn es nicht eines dieser schweren Erdbeben ist, die Haiti immer wieder heimsuchen, dann machen dem Inselstaat Tropenstürme zu schaffen. Wenn es nicht Blauhelm-Soldaten sind, die die Cholera einschleppen, dann versetzen Verbrecherbanden die Menschen in Angst und Schrecken. Und wenn der kleine Flecken in der Karibik einmal einen Hoffnungsträger zum Präsidenten wählt, verwandelt der sich nicht selten in einen Autokraten. Manche sagen, auf Haiti läge ein Fluch – die jüngste Tragödie erinnert zudem noch an einen Krimi, Voodoo und profane Machtgier.

„Sein Kampf muss fortgeführt werden“

Es war kurz nach Mitternacht am 7. Juli, als das Todeskommando in das Anwesen von Jovenel Moïse eindrang und den Präsidenten Haitis „innerhalb eines Wimpernschlags mit Kugeln durchlöcherte, ohne ihm auch nur die Chance zu geben, ein Wort zu sagen“, schildert seine Frau Martine den Anschlag in einer Audiobotschaft. Sei selbst wurde dabei verletzt und in ein Krankenhaus nach Florida gebracht. Ihr Mann habe sich für den Ausbau der Infrastruktur und für Wahlen im Herbst eingesetzt, sagte Martine Moïse. „Das ist ein Kampf, den er für uns geführt hat, er muss fortgesetzt werden.“

Nicht alle Haitianer haben seinen „Kampf“ unterstützt, im Gegenteil. Zuletzt hatten Proteste gegen seine Amtsführung Haiti immer wieder lahmgelegt. Moïse wurden Korruption, Verbindungen zu brutalen Banden und ein immer autokratischerer Führungsstil vorgeworfen. Selbst…