1. Frankreichs Regierung will eine Impfpflicht fürs Gesundheitspersonal, deutsche Politiker schließen Ähnliches aus – auch weil die Impfquoten in unserem Land besser sind

Viele Menschen blicken mit einer Mischung aus Staunen und Bewunderung auf unser großes Nachbarland im Westen, über das der kluge, in alles Französische vernarrte Journalist Ludwig Börne vor zwei Jahrhunderten sinngemäß gesagt hat: In Frankreich sehe man in jeder Sekunde, welche Zeit es geschlagen habe, in Deutschland müsse man erst die Kirchturmuhr läuten hören, um über Tag und Stunde Bescheid zu wissen. An Börnes Frankreichbegeisterung musste ich denken, als heute bekannt wurde, dass sich nach der einigermaßen dramatischen Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron von gestern knapp eine Million Menschen zum Impfen angemeldet haben – das sind mehr Impfbuchungen innerhalb so kurzer Zeit als offenbar je zuvor.

Macron hat eine manchmal unheimliche Leidenschaft für Brandreden und hat zum Beispiel in einer Ansprache zu Beginn der Coronapandemie im vergangenen Jahr sechsmal den Satz »Wir sind im Krieg« gesagt. Am Montagabend hat der französische Präsident nun angekündigt, dass er eine Impfpflicht fürs Gesundheitspersonal durchsetzen will, mit drohendem Arbeitsverbot bei einem Verstoß – und selbst für die Gesamtbevölkerung hält er eine verpflichtende Impfung für denkbar. In Deutschland hat Bundeskanzlerin Angela Merkel heute klargemacht, dass sie die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen, die außer in Frankreich auch in Griechenland verkündet wurde, keinesfalls übernehmen will. »Wir haben nicht die Absicht, diesen Weg zu gehen«, sagte Merkel bei einer Pressekonferenz im Robert Koch-Institut. »Es wird keine Impfpflicht geben.«

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Gesundheitsminister Spahn mit Bundeskanzlerin Merkel und RKI-Chef Wieler

Foto: Michael Kappeler / dpa

Auf den ersten Blick ist es erstaunlich, dass sehr viele sonst oft streitlustige deutsche Politikerinnen…