Heute beschäftigen wir uns mit dem Bedeutungsverlust der Inzidenz in der Coronapolitik, mit dem neuen Weltraumkommando der Bundeswehr und jungen Rebellen in der CDU.

Wie hältst Du’s mit der Inzidenz?

Die Frage wabert schon seit Langem durch den Debattenraum der Virologen und Epidemiologen, der Politiker und Gesundheitsfunktionäre: Ist die sogenannte Inzidenzzahl, die angibt, wie viele Menschen sich innerhalb von sieben Tagen mit dem Coronavirus neu angesteckt haben, noch das Maß aller Dinge? Soll allein sie darüber entscheiden, wo wir Masken tragen und Abstand halten müssen, wo es Konzerte und Volksfeste geben darf? Oder sind, da immer mehr Menschen geimpft sind und die Zahl der schweren Krankheitsverläufe abgenommen hat, nicht andere Faktoren ausschlaggebend, etwa die Zahl der coronabedingten Krankenhauseinweisungen?

Die Bundesregierung wolle ihren Richtwert überdenken, hieß es gestern in Berlin, zugleich soll die Inzidenz auch weiterhin eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Welche Kriterien genau künftig über Einschränkung oder Freiheit entscheiden, darüber wird Angela Merkel heute sicher diskutieren, wenn sie mit Jens Spahn das Robert Koch-Institut und dessen Präsidenten Lothar Wieler besucht.

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SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach: »Augenwischerei«

Foto: Matthias Jung / DER SPIEGEL

Anruf bei einem Mann, der immer eine fundierte Meinung zu solchen Fragen hat.

Er halte die Debatte für »Augenwischerei«, sagt Karl Lauterbach, der SPD-Gesundheitsexperte, der in seiner Freizeit seit 35 Jahren epidemiologische Studien liest, wie er uns kürzlich in einem SPIEGEL-Gespräch verraten hat. Faktoren wie die Hospitalisierung würden schon längst in der Beurteilung der Pandemielage berücksichtigt.

Lauterbach vermutet, dass hinter der Frage nach dem neuen Richtwert bewusst eine ganz andere Debatte begonnen werde: Soll die Inzidenzzahl gar keine Rolle mehr spielen, wie dies gerade in Großbritannien der Fall ist? Sollen bald alle…