Der Computer stellte an einem Sonntag seine Arbeit ein, gegen 22 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit. Noch nicht einmal die Allzweckwaffe aller IT-Experten, ein Neustart des Rechners, konnte das Problem lösen: Seit dem 13. Juni, also ziemlich genau einem Monat, macht das amerikanisch-europäische Weltraumteleskop »Hubble« Astronomen und Weltraumtechnikern Sorgen. Seitdem lässt sich das Steuergerät für die wissenschaftlichen Instrumente nicht mehr vom Hauptrechner des Observatoriums aus ansprechen.

Das heißt: Das mehr als 30 Jahre alte Gerät, das die Forschung mit seinen Hunderttausenden Himmelsaufnahmen so stark vorangebracht hat wie wohl kein anderes Weltraumobservatorium, kann derzeit keine Daten sammeln. Es zieht in knapp 550 Kilometern Höhe ziemlich nutzlos seine Bahn, während sich Experten am Boden den Kopf über eine Lösung des Problems zerbrechen.

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»Hubble« Modell im Nasa-Kontrollzentrum am Goddard Space Flight Center in Greenbelt

Foto: Linda Davidson / The Washington Post / Getty Images

Sonst hat »Hubble« dort ideale Beobachtungsbedingungen, jenseits der Störungen durch die Erdatmosphäre, die das Sternenlicht beim Weg zum Erdboden unscharf werden lässt und manche Wellenlängen gleich ganz blockiert. Nach Angaben der Nasa sind über die Jahre mehr als 18.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen auf der Basis seiner Daten entstanden. Zu den Zielen des Teleskops gehörten unter anderem besonders junge Galaxien aus der Frühzeit des Universums, aber auch Objekte in unserem Sonnensystem wie etwa Planetenmonde oder Asteroiden.

»Wir schauen gespannt auf die Entwicklungen rund um Hubble, da wir auf die Ausführung eines Beobachtungsprogramms warten«, sagt Nadine Neumayer, Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, dem SPIEGEL. Das heißt: Ihr Team hat Beobachtungsziele identifiziert, die sich das Teleskop jeweils für eine bestimmte Zeit vornehmen soll, nachdem es mit den entsprechenden…