Der Clip kommt ohne viele Worte aus. Stattdessen lassen die Macher zunächst Bilder sprechen. Eine junge Frau liegt in einem Krankenhausbett, in ihrer Nase stecken Beatmungsschläuche. Die Szene ist in düstere Farben getaucht. Der Blick der Frau ist panisch, verzweifelt wirft sie den Kopf hin und her, schnappt nach Luft. Dazu sind ihre rasselnden Lungen zu hören, über das Piepsen der medizinischen Geräte.

Vor den Clip haben die Verantwortlichen eine Warnung in Textform gestellt: Die folgenden Aufnahmen könnten verstörend wirken. Tatsächlich sorgt das Video in Australien für einige Aufregung. Veröffentlicht hat es die australische Regierung, Ziel sollen Fernsehzuschauer und Internetnutzer im Großraum Sydney sein.

Es ist der letzte Satz, der die Kritiker auf den Plan ruft. Der US-Sender CNN zitiert Bill Bowtell von der Universität von New South Wales, der auch als Berater für strategische Gesundheitspolitik arbeitet. Er nennt den Clip »auf jede Art verkehrt«. Vor allem das Alter der Schauspielerin erscheint ihm – und vielen anderen Kritikern – problematisch.

Für junge Menschen gibt es keinen Impfstoff

Der Clip soll offenbar eine jüngere Bevölkerungsgruppe ansprechen und zum Impfen animieren. Das Problem: Personen unter 40 Jahren können in Australien derzeit keine Impfung mit dem von der Regierung empfohlenen Pfizer/Biontech-Impfstoff bekommen. Wegen eines Mangels an Pfizer-Produkten im Land soll das frühestens zum Ende des Jahres möglich werden. Impfstoff von AstraZeneca ist zwar vorhanden, wird aber von der Regierung für die Altersgruppe von 16 bis 59 Jahren nicht empfohlen.

»Komplett unanständig, so eine Anzeige zu schalten, während Australier in dieser Altersgruppe immer noch auf ihre verdammte Impfungen warten müssen«, schrieb der bekannte Fernsehmoderator Hugh Riminton auf Twitter.

Das Gesundheitsministerium hat die Anzeige verteidigt. Mit Blick auf die eskalierende Lage im Großraum Sydney habe man sich bewusst »für drastische Bilder«…