Gewinnen sie, sind sie Helden. Verlieren sie, sind sie Affen. So einfach ist das für manche. Und so menschenverachtend. Was sich nach den verschossenen Elfmetern von Bukayo Saka, Jadon Sancho und Marcus Rashford in den sozialen Netzwerken entladen hat, ist mehr als nur Frust über ein denkbar knapp verlorenes EM-Finale gegen Italien. Es ist eine Schande für England, die das erneute Scheitern in einem Elfmeterschießen bei weitem in den Schatten stellt.

Man kann verlieren, aber nicht so. Nur Augenblicke nachdem Bukayo Saka den Ball halb hoch aufs rechte Eck geschossen und Italiens Keeper Gianluigi Donnarumma diesen glänzend pariert hatte, poppten sie auf, die Nachrichten des Hasses: Affen-Emojis, dazu Bananen, Gorillas und Schimpansen erschienen in den Kommentaren zu Posts in Sakas Instagram-Account. Es sind unzählige. „Nach Hause nach Afrika“ gehe es für Saka nun, schrieb ein Twitter-User. Andere Botschaften sind so widerlich, dass man sie gar nicht wiederholen möchte.

Alte Ressentiments sitzen immer noch tief

Selbst mancher Beistand für die drei schwarzen Spieler wirkt seltsam: Man könne die drei doch nicht so angreifen, wo sie doch so viel für ihr Land getan haben, schreibt jemand bei Twitter. Und was ist mit den schwarzen Menschen, die – in wessen Augen auch immer – „weniger“ für England getan haben? Dürfen die beleidigt werden?

DW-Redakteur Joscha Weber: „Man kann verlieren, aber nicht so“

Rassismus ist, das zeigt diese traumatische Final-Nacht für das Mutterland des Fußballs, immer noch ein Problem in England und im Ballsport. Trotz aller Appelle, Kampagnen und Dementis. Der Hass ist da. Und wenn es im Angesicht der schmerzlichen Niederlage Sündenböcke braucht, nimmt man halt ein paar junge, schwarze Spieler. Dass zuvor im Spiel, etwa mit dem chaotischen Abwehrverhalten beim 1:1 durch Leonardo Bonucci, auch andere englischen Spieler Fehler machten – Nebensache. Die selektive Wahrnehmung vieler „Fans“ zeigt, wie tief alte Ressentiments immer noch sitzen….