Meinung

EM 2021
Perfekt „inszeniert“: Warum Gareth Southgate die volle Schuld an Englands Scheitern trifft

Wieder einmal blieb nur, Größe zu zeigen: Englands Nationalcoach Gareth Southgate nach der Final-Niederlage im Elfmeterschießen gegen Italien.

© Carl Recine / Getty Images

von Dieter Hoß
12.07.2021, 13:10 Uhr

Der unglückliche letzte Elfmeterschütze ist es diesmal nicht. Diesmal ist es der Coach, der England das nächste Elfmeterdrama beschert hat. Dabei hätte es Gareth Southgate besser wissen müssen.

Wären da nicht die Weltmeister von 1966, man könnte glauben, dass es nur einen Weg gibt, sich mit der englischen Nationalmannschaft unsterblich zu machen: Man muss nach großem Kampf im entscheidenden Moment ein Elfmeterschießen im Halbfinale oder Finale eines großen Turniers vergeigen. In diesem Sinne ist Gareth Southgates Platz in den Annalen der englischen Football Association ab sofort zementiert. Denn der 50-Jährige hat dieses auf der Insel so oft erlittene und entsprechend gefürchtete „Kunststück“ nun sogar zweimal hingekriegt: als Spieler und jetzt auch als Trainer.

Wie konnte er nur, speziell mit der bitteren Erfahrung seines eigenen entscheidenden Fehlschusses 1996 im EM-Halbfinale von Wembley gegen Deutschland, diese Verantwortung, diesen aus millionenfacher Titelsehnsucht aufgebauten Druck ausgerechnet seinen jüngsten Spielern aufbürden? Das auch noch in einer nahezu filmreifen Inszenierung?

Gareth Southgate: Filmreif inszeniertes Scheitern

Die Supertalente Marcus Rashford, 23, und Jadon Sancho, 21, ließ er – für viele  sowieso unverständlich – während des gesamten Turniers beinahe komplett außen vor, um sie dann ausgerechnet im allerletzten, alles entscheidenden Moment eigens einzuwechseln und von ihnen zu verlangen, vor 67.000 Zuschauern eine 55 Jahre währende Wartezeit auf einen weiteren Titel für die…